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Vorbemerkung: Folgender Kurzbericht zeigt wieder einmal überdeutlich, wie nötig es ist, Jugendamtsmitarbeiterinnen und pädagogisch ausgebildetes Schulpersonal über FAS/FAE aufzuklären. Es ist nicht das erste und wird sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass Pflegeeltern von Kindern mit einer Alkoholschädigung für deren Auffälligkeiten verantwortlich gemacht werden. So lange Jugendämter nichts oder nur wenig über FAS/FAE und die Auswirkungen im Alltag wissen (vgl. Kopera-Frye, Connor, Streissguth) bzw. sich nicht oder nur oberflächlich dafür interessieren (oft aus Kostengründen, fehlender Zeit oder unzureichender Fortbildungsangebote), werden Pflegeeltern und Pflegekinder darunter leiden. Wenn diese Kinder ungerechtfertigt aus Pflegefamilien, in denen sie vertrauensvoll Fuß gefasst haben, einfach herausgerissen werden, ist es statistisch nachweisbar vorprogrammiert, dass sie später mit größerer Wahrscheinlichkeit auf der Strasse, im Gefängnis oder in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung landen. Das Wissen über die Folgen von Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft ist seit 30 Jahren in medizinischen Fachkreisen ausreichend bekannt. Warum wissen die Menschen in Jugendämtern, die solche Kinder vermitteln, so oft nichts davon? Ann Gibson, Pflegemutter und Deutschland-Koordinatorin von FAS-WorldWide (Juni 2003)
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Erfahrungsbericht
- FAS AE-Kind, geboren 1991, männlich, 1994 dem Elternhaus entzogen, danach Unterbringung im Heim. - 1995 Unterbringung in einer Pflegefamilie, welche weder über die Behinderung des Kindes aufgeklärt wurde noch FAS AE kannte.
Aufnahmestatus :
Alter: 4 Jahre, minderwüchsig, untergewichtig, Hospitalismus, Tremor, gestörte Feinmotorik, gestörte Grobmotorik, gestörte Wahrnehmung.
Versunken in sich selber, lange Depressionsphasen, Trennungsängste, Schlafstörungen, katastrophales gesellschaftliches Verhalten, gestörtes Sozialverhalten, Distanzlosigkeit, autistisch anmutendes Spielverhalten, kaum Sprachschatz, kein Gefahrenbewusstsein.
Facharzt für Kinderheilkunde stellt 1998 folgende Diagnose: Bei XXX ergibt das Gesamtbild von körperlicher, geistiger und affektierter Entwicklung die Diagnose einer Alkoholembryopathie 3. Grades.
Sozialpädiatrisches Zentrum diagnostiziert im Jahr 2001: Embryofetales Alkoholsyndrom
Momentaner Status: minderwüchsig, kleinköpfig, untergewichtig, Skoliose, gestörte Feinmotorik, gestörte Wahrnehmung, bei Anspannung Tremor, bei Anspannung Hospitalismus.
Lebensalltag : - sehr mangelhafte Körperhygiene - Auswahl der Bekleidung selten adäquat - Nahrungsmittelauswahl stereotyp - Antriebschwäche - extreme Stimmungsschwankungen - Konzentrationsschwächen - kleinkindhaftes Benehmen - Zappeligkeit - keine altersgerechten Freundschaften - kann sich bei Gleichaltrigen nicht durchsetzen - Gleichgewichtsprobleme beim Fahrradfahren - massive Probleme beim Skaten - ungelenker Bewegungsablauf trotz Dauerergotherapie seit zwei Jahren - krakelige Schrift - kein Verhältnis zu Geld - Bastelarbeiten und Bilder nicht altersgerecht - Interessenlage nicht altersgerecht - Spielverhalten nicht altersgerecht - Verhalten im Straßenverkehr nicht altersgerecht - Neigung zur Selbstgefährdung - kaum Hobbys - ungewohnten Anforderungen selten gewachsen - häufigste benutzte Wörter: was ist das, warum und wieso? - lebenspraktische Ereignisse und Gegebenheiten werden generell neu hinterfragt - sehr subtiles Verhalten und Denkschema - Ereignisse werden reduziert gespeichert - Erfahrungsschatz selten adäquat angewendet - eigenes Verhalten wird nicht hinterfragt - Fehlverhalten selten korrigiert - kaum Durchhaltevermögen - Distanzlosigkeit - Zerstörung vieler Dinge durch unsachgemäßen Gebrauch (unabsichtlich) - extrem leichtgläubig
Alter: in drei Monaten 12 Jahre alt.
Prognose: soll den Pflegeeltern auf Grund obig geschilderter Auffälligkeiten entzogen werden. Nicht, weil sich die Pflegeeltern durch das Kind überfordert fühlen! Einfach, weil die Schule des Kindes und das Jugendamt die Behinderung FAS/FAE nicht akzeptieren und daher lieber die Pflegeeltern für die Probleme des Kindes verantwortlich machen.
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