FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2003

 

Vierjährige vom Vater misshandelt?

Mit Unterkühlung in Klinik

Von Julia Buschmann

 

DEIZISAU. Schon wieder ist ein Kind im Landkreis offenbar misshandelt worden. Mit Unterkühlungen und Blutergüssen musste ein vierjähriges Mädchen in eine Klinik eingeliefert werden. Die Polizei hat nun die Ermittlungen gegen den Vater eingeleitet.


Um neun Uhr war am vergangenen Donnerstag ein Anruf beim Polizeiposten Deizisau eingegangen. Seine kleine Tochter, hatte ein Anrufer mitgeteilt, habe einen Atem- und Herzstillstand erlitten. Sofort waren Notarzt und eine Polizeistreife zu dem Wohnhaus gefahren. Als die Beamten dort eintrafen, war das Kind auf den Beinen. Allerdings stellten die Ordnungshüter fest, dass die Vierjährige sehr apathisch war. Außerdem wirkte sie stark unterkühlt.

"Als die Polizisten vor Ort das Kind berührten, fiel ihnen sofort die extrem kalte Haut des Mädchen auf", so Polizeisprecher Klaus Holzmann. Zudem entdeckten die Beamten mehrere Hämatome am Körper des Kindes. Nach einer ersten Untersuchung durch den Notarzt wurde das vierjährige Mädchen mit dem Rettungswagen in ein naheliegendes Krankenhaus gebracht.

Zwischenzeitlich hat die Kriminalpolizei Esslingen wegen des Verdachts der Misshandlung des Mädchens die Ermittlungen gegen den 31-Jährigen Vater eingeleitet. Im übrigen hält sich die Polizei wegen der noch andauernden Ermittlungen bedeckt. "Die Aussagen des Vater sprachen nicht mit der Situation über ein, die die Beamten vor Ort vorgefunden hatten", so Holzmann. Zudem sei der 31-Jährige, der der Polizei bereits wegen anderer Angelegenheiten bekannt ist, "sehr unzugänglich" gewesen. "Um Klarheit zu bekommen, was da tatsächlich passiert ist, müssen wir auch die Kleine vernehmen und das ist in ihrem jetzigen Schockzustand noch nicht möglich", betont der Polizeisprecher. Auch die Mutter des Kindes wird noch vernommen. Sie war zum Zeitpunkt, als der Mann die Polizei verständigte, nicht in der gemeinsamen Wohnung.

Die offenbar misshandelte Vierjährige ist nicht das einzige Kind des Paares. Mit in der Wohnung leben auch zwei weitere Töchter im Alter von einem und fünf Jahren. Während die Vierjährige weiterhin im Krankenhaus behandelt wird, sind die beiden Schwestern von dem verständigten Jugendamt in Obhut genommen worden.

Erst in der vergangenen Woche war ein Säugling im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten den polizeilichen Ermittlungen zufolge von seinen Eltern zu Tode geprügelt worden. Weil der zwei Monate alte Junge anhaltend schrie, sollen die Eltern auf ihn eingeschlagen haben, bis er ruhig war. Der Vater des Säuglings ist bereits mehrfach wegen Körperverletzung in Erscheinung getreten. Dagegen ist dem Vater der Vierjährigen aus Deizisau bisher kein Gewaltdelikt vorgeworfen worden.

Im Mai des vergangenen Jahres war ebenfalls ein Säugling von seiner psychisch kranken 34-jährigen Mutter in Wendlingen lebensgefährlich verletzt worden. Einen Monat zuvor hatten Spaziergänger ein totes Baby am Rande einer Kompostieranlage in Zuffenhausen gefunden. Am 14. Oktober 2001 hatte eine Ludwigsburgerin ihr neugeborenes Kind erstickt und auf dem Balkon versteckt.

Stuttgarter Zeitung 25-1-2003

 

 

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