|
WAZ Duisburg. Tränen strömen über das Gesicht von Mutter Mehrije B. (22). Vater Bekim (22) sitzt mit starrem Blick da. Nach elf Prozesstagen ist das Schwurgericht sicher: Die Eltern haben ihre Tochter Ceylan (3) zu Tode geprügelt. UrteiI: Mehrije B. geht sieben Jahre in Haft, Bekim B. zehn Jahre.
Am Morgen des 22. April rufen Bekim und Mehrije B. von ihrer Duisburger Wohnung aus den Notarzt an. Doch der kann nur noch den Tod des Mädchens feststellen. Ceylans Körper ist übersät mit Striemen und blauen Flecken, das Mädchen wiegt kaum mehr neun Kilo. "Es gab fast keinen Körperteil ohne Verletzung", so Richter Jürgen Renziehausen im Urteil. Todesursache, das stellt ein Rechtsmediziner fest, war eine "Fett-Embolie". Als Folge von heftigen Schlägen gelangt dabei Fett ins Blut. Ein qualvoller Tod: Ceylan erstickte.
Erst gegen Ende des Prozesses äußern sich die Eltern über ihre Verteidiger zu den Vorwürfen. Mutter Mehrije B. nimmt alle Schuld auf sich. Sie allein habe das Kind geschlagen, habe auch mit einem Gürtel auf Ceylan eingeprügelt. Grund: Mehrije B. fühlte sich überfordert, hatte Angst, dass Jugendamt nehme ihr erneut die Tochter weg, weil die nicht essen wollte und unterernährt war. Bereits im Mai letzten Jahres war Ceylan in einem Heim untergebracht worden. Kurz vor Weihnachten kam sie zurück. Alle Stellen, so Anwalt Jürgen Ahrens, hätten Mehrije B. gesagt: "Du kriegst das Kind jetzt wieder. Aber wehe, es wird nicht dick. Dann nehmen wir es dir wieder weg", schildert der Verteidiger die "verzweifelte Situation" der jungen Mutter.
Bekim B. lässt seinen Anwalt Tawfeek Matami erklären: Sein Mandant habe als treusorgender Familienvater stets gearbeitet, sei kaum zu Hause gewesen und habe niemals gesehen, dass seine Frau aggressiv gegen die Kinder gewesen sei.
Das Gericht wertet die Aussagen der Angeklagten als "Vertuschungsversuche". Das Geständnis von Mehrije B. diene lediglich dazu, ihren Mann zu entlasten. Er aber habe die schlimmsten Verletzungen mit dem Gürtel zugefügt. Der Richter: "Die Erziehungsmaxime lautete: Was mit Worten nicht gelingt, wird mit der Hand gemacht." Westdeutsche Allgemeine - 26.11.2002
|