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May-Britt Seidel vom Sozialrathaus Goldstein schlägt Alarm. "Die Bewerbungen von Pflegeeltern sind in Frankfurt in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen", berichtet die diplomierte Sozialarbeiterin. Selbst gesunde Kleinkinder müssten oft monatelang auf eine Pflegefamilie warten und solange in Einrichtungen oder Bereitschaftsfamilien unterkommen.
"Ich habe seit zwei Jahren keine Bewerbung im klassischen Sinne mehr gehabt", sagt Sozialarbeiterin Seidel. Unter klassischen Bewerberfamilien verstehen Fachleute diejenigen, die vorher gar keine Beziehung zu dem Kind hatten, weder verwandt- noch freundschaftliche. Insgesamt gingen die Zahlen auch bei den Adoptionen zurück. Zwar konnte bis jetzt jedes Kind vermittelt werden, die Wartezeit wird jedoch immer länger.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Menschen warten heutzutage länger mit dem Kinderwunsch und nutzen medizinische Hilfsangebote, wenn es mit dem eigenen Kinderkriegen einmal nicht klappt. Es gibt auch Klischees. "Man muss nicht unbedingt 28, verheiratet und Hausbesitzer sein", klärt Seidel auf. Sogar homosexuelle Paare kommen als Pflegefamilie grundsätzlich in Betracht.
Vorurteile und Nichtwissen gibt es vielfach. Manche haben etwa Angst davor, dass das Kind nach drei oder vier Jahren wieder weggenommen und den leiblichen Eltern zugeführt werde. Die Sozialarbeiterin klärt jedoch auf: "Meistens arbeiten die Eltern sehr gut mit und machen keine Schwierigkeiten."
Probleme bereite vielmehr das gesetzlich vorgeschriebene Zuteilungsverfahren. Durch die strenger gewordenen Kontrollen werden einige potenzielle Familien ausgesiebt. Gerichtsbeschlüsse und Gesundheitsdiagnosen des Kindes kommen hinzu und ziehen das Verfahren in die Länge. "Am schwersten vermittelbar sind ältere und kranke Kinder", so Seidel.
Über das Anforderungsprofil für Pflegefamilien und die staatliche Förderung informiert die Sozialarbeiterin bei einem Info-Nachmittag am Samstag, 20. Januar (14.30 Uhr), in der St. Johannesgemeinde, Am Wiesenhof 76 a. Frankfurter Rundschau - 09.01.2001
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