FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2002

 

Wenn das Umgangsrecht zur Pflicht wird

 

Holzminden (30.04.02). Das wohl schwierigste Problem in der Arbeit für Pflegekinder hat die Stiftung zum Wohl des Pflegekindes zum Tagungsthema gemacht: Die Kontakte zwischen Pflegekind und leiblichen Eltern. Dieses Umgangsrecht, kritisierte Stiftungsvorstand Dr. Ulrich Stiebel beim 13. Tag des Kindeswohls gestern in der Stadthalle Holzminden, würde offensichtlich häufig zur Umgangspflicht für das Kind. Ein Kind, dass in seiner Familie vielleicht Schlimmes durchleben musste und mit dem Besuch bei den Eltern immer wieder daran erinnert wird. Deshalb wurde gestern in der Stadthalle gefordert, das Wohl des Kindes als Orientierungsmaßstab zu nehmen.
"Unserer Meinung nach findet der Lebenshintergrund der Pflegekinder, insbesondere die in der Herkunftsfamilie gemachten traumatischen Erfahrungen, viel zu wenig Berücksichtigung bei der Kontaktgestaltung", hatte Dr. Ulrich Stiebel betont. Deshalb hat die Stiftung, die in diesem Jahr ihr zehntes Bestehen feiern kann, wieder eine Reihe hochkarätiger Referenten eingeladen, darunter Dr. Monika Nienstedt und Dr. Arnim Westermann, die ein viel beachtetes und nicht unumstrittenes Buch veröffentlicht haben und seit 30 Jahren mit Pflegekindern arbeiten.
"Wir schauen immer auf das Kind, das nehmen wir uns einfach heraus", machte Angela Reineke, Geschäftsführerin der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes, deutlich. Das dieses Konzept richtig, zukunftsweisend ist, bewies die Resonanz auf die Tagung. Mit rund 230 Teilnehmern aus ganz Deutschland und der Schweiz ist es größte Veranstaltung der Stiftung überhaupt. Pflegeeltern, Psychologen, Mitarbeiter von Beratungsstellen und Fachdiensten und auch Juristen nutzten die Möglichkeit, sich zu informieren, in den Themengruppen mitzuarbeiten.
Die Früchte, die diese Arbeit in den vergangenen Jahren getragen hat, schlagen sich in den unterschiedlichsten Publikationen nieder. Allein die Stiftung gab inzwischen drei Bücher heraus. Außerdem bietet sie im Stiftungshaus in Holzminden und im gesamten Bundesgebiet regelmäßig Seminare an, die sich inhaltlich mit allen für das Pflegekinderwesen wesentlichen Aspekten befassen. Wichtig dabei, das betonte Dr. Ulrich Stiebel, ist die Prämisse: "Wie kann Pflegekindern in ihrer besonderen Situation geholfen werden".
Unter dieser Prämisse steht auch der Förderpreis für herausragende Arbeiten im Dienste von Pflegekindern, den die Stiftung jetzt zum zweiten Mal ausgeschrieben hat und der gestern in der Stadthalle verliehen wurde. 15 Personen und Institutionen hatten sich beworben. Drei Förderpreisträger hat eine Jury benannt.
Die Projekte "15 Jahre Vermittlung von Pflegekindern durch den Pflegekinderdienst der Stadt Herten - Studie zur Qualitätsentwicklung" der Stadt Herten wurde ausgezeichnet. Das Caritas Kinder- und Jugendheim Rheine für "Effekte in der Therapeutischen Übergangshilfe des Caritas Kinder- und Jugendheims Rheine" geehrt. Und Professor Dr. Kurt Eberhard, Berlin und Christoph Malter, Mohrkirch, wurden für ihre Arbeit "Entwicklungschancen für vernachlässigte und misshandelte Kinder in sozialpädagogisch und psychotherapeutisch betreuten Pflegefamilien" ausgezeichnet.
Täglicher Anzeiger Holzminden, 30.4.2002

 

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