FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2008

 

 Düsseldorf - Vergewaltigung der Tochter

Mutter kassierte Schweigegeld

 

von Barbara Kirchner

Die kleine Denise (Name geändert) war acht Jahre alt, als der Albtraum begann. Acht Jahre missbraucht vom eigenen Vater, später regelmäßig vergewaltigt.

Ihre Mutter wusste, was passierte und schaute einfach weg. Kaum zu fassen: Sie nahm auch noch Geld für ihr Schweigen. Am Donnerstag stand zum ersten Mal eine Mutter wegen Beihilfe zum Missbrauch der eigenen Kinder in Düsseldorf vor Gericht.

Heinrich W. (heute 84) wurde bereits zu vier Jahren Haft verurteilt. Drei Kinder hatte er mit der viel jüngeren ehemaligen Nachbarstochter Silvia G. (46). Als sich die Jüngste, Denise, ihrem Vater anvertraute, dass ein 16-Jähriger sie missbraucht hatte, wollte der Vater ebenfalls Sex.

Nie hatte sie Ruhe vor ihm. Am Baggersee, nach der Schule, zu Hause und in seinem Büro. Anders als viele andere Mädchen vertraute sie sich den Erwachsenen an. Den Lehrern, dem Jugendamt, einem Therapeuten und ihrer Mutter. Doch nichts tat sich. Das Jugendamt erstattete keine Anzeige, weil das Denise nicht wollte. Stattdessen wurde eine Einstweilige Verfügung erwirkt, dass Heinrich W. sich von der Familie fern halten sollte.

Papier ist geduldig. Silvia G. ließ ihn trotzdem ins Haus. Dem Jugendamt hatte sie versprochen, alle Begegnungen zu begleiten. „Habe ich anfangs auch getan“, beteuerte die Mutter am Donnerstag vor Gericht. „Sicher gewusst, habe ich es nicht, aber geahnt.“

Wohl mehr als geahnt. Denn schließlich gab ihr Denise nach jedem Kontakt mit dem Vater Geld. Im Polizeiverhör gab Silvia G. zu: „Er wusste, dass er mich damit kriegen kann.“ Und für die Zuschüsse zur Sozialhilfe schloss Silvia G. gern die Augen.

Erst schämte sie sich, alles zuzugeben. Doch die Beweise waren erdrückend. Das Warum konnte sie allerdings kaum beantworten. Es sei eine Mischung aus Angst, der Gier nach Geld und auch noch Liebe für den Vater ihrer Kinder gewesen. Der Prozess geht weiter.

Express, 26.6.

 

 

 

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