FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2002

 

Dreijährige zu Tode gequält?

 

Notarzt konnte Mädchen in Homberg, das mit Spuren von Misshandlungen übersät war, nicht mehr helfen. Eltern und Kinder standen unter Betreuung des Jugendamtes.

Der Notruf der Eltern am vergangenen Montag um 7.39 Uhr an die Feuerwehr "Kind bewusstlos" klang noch eher unverdächtig. Doch als das Notarzt-Team wenige Minuten später in der Wohnung in der Hochfeld Straße in Homberg eintrifft, bietet sich ihnen ein grausames Bild: Auf einer Couch liegt ein dreijähriges Mädchen, nackt, nur mit einer Windel bekleidet é ohne Bewusstsein. Den Helfern fallen Blutergüsse, Verbrennungsspuren und Eindrücke von Gürtelschnallen am ganzen Körper des Kleinkindes auf. Eine Stunde lang, so steht es im Tagebuch-Protokoll der Feuerwehr, bemüht sich der Notarzt das kleine Mädchen ins Leben zurück zu holen. Vergebens. Um 8.43 Uhr geben sie auf. Die dreijährige Ceylan, Tochter zweier aus dem Kosovo stammender Eltern, ist tot.

Sofort werden die Eltern (beide 22 Jahre alt) von der Polizei festgenommen; ein zweites Kind, der völlig unversehrte 5-jährige Mirsat, wird in einem Kinderheim untergebracht.

Eine Obduktion brachte am Montag keine eindeutige Todesursache zu Tage. Die Leichen-Untersuchung, so ein Polizeisprecher, würde jetzt intensiver und detaillierter fortgesetzt.

Die Eltern, die sowohl der Polizei wie auch vor allem dem städtischen Jugendamt gut bekannt sind, geben sich gegenüber den Ermittlern zugeknöpft. Der 5-jährige Sohn, so sagen sie nur, sei Schuld an Ceylans Verletzungen. "Das ist Unfug, den glauben wir nicht", sagt ein Polizeisprecher. Wegen "drohender Verwahrlosung", so Jugendamtsleiter Thomas Krützberg, war Ceylan im Mai vergangenen Jahres aus der Familie genommen worden, nachdem in den städtischen Kliniken massive Entwicklungsstörung festgestellt wurden. Weihnachten 2001 kehrte Ceylan, begleitet durch sozial-pädagogische Betreuung der Caritas zurück in die Familie. Noch in der vergangenen Woche sei Ceylan gesund und munter gewesen.

"Was dann am vergangenen Wochenende in der Homberger Wohnung passiert ist", sagt Jugendamtsleiter Krützberg, "wissen wir nicht." Vermutlich steht das Geschehen im Zusammenhang mit dem Vater, Bekim B. (22), der nicht wie seine gleichaltrige Ehefrau fest in Duisburg wohnt, sondern der in Italien arbeitet und sporadisch zu Besuch in Homberg ist.

Krützberg: "Den Vater haben weder wir noch der Wohlfahrtsverband in diesem Jahr zu Gesicht bekommen." Es sei schrecklich, so Krützberg, dass obwohl nach allen Regeln der Kunst die Familie sozial-pädagogisch betreut wurde, es dann doch zu solch einer Tat kommen konnte. Krützberg: "Wir haben Ceylan am 10. April zuletzt gesehen und alles war in Ordnung. Einen Tag später war das Kind beim Arzt, alles war in Ordnung. Es gab keinerlei Zeichen von Misshandlungen." In der vergangenen Woche, am 16. April, habe dann eine sozial-pädagogische Betreuerin die Mutter zu Hause in Homberg mit den Kindern zum letzten Mal aufgesucht. Wieder habe es keinerlei Hinweise darauf gegeben, dass sechs Tage später Ceylan tot sein würde - übersäht mit Spuren von grausamer Misshandlung. Der Vater und die Mutter von Ceylan sitzen jetzt in U-Haft und beschuldigen ihren 5-jährigen Sohn. (sten)
Mannheimer Morgen - 23-4-2002

 

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