FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2008

 

Familie stellt Strafanzeige gegen die Stadt

VON NIKOLA DÜNOW

 

WUPPERTAL. Die kleine Talea wollte immer eine Prinzessin sein. Deswegen wurde das fünfjährige Mädchen, das am Dienstag vergangener Woche getötet wurde, am Mittwoch in einem rosa Sarg mit einer goldfarbenen Krone beerdigt.

Die Eltern des Mädchens erheben unterdessen schwere Vorwürfe gegen die zuständige Mitarbeiterin des Wuppertaler Jugendamtes. Die Familie kündigte an, Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die Sachbearbeiterin zu stellen. Das Verfahren könne aber auch noch auf weitere Behördenmitarbeiter ausgeweitet werden, sagte gestern Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt.

Am Mittwoch hatte das vorläufige Obduktionsergebnis einen gewaltsamen Tod des Mädchens bestätigt. Die laufenden Ermittlungen ergaben, dass das Jugendamt schon vor dem Tod des Mädchens von Verletzungen gewusst haben soll. Ein Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter des Jugendamtes wurde eingeleitet. Am Mittwoch seien die Räume des Amtes durchsucht und Akten sichergestellt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Talea war in der Stadt bei einer Pflegefamilie untergebracht. Die 38 Jahre alte Pflegemutter ist dringend verdächtig, das Kind getötet zu haben. Sie sitzt wegen Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft.

„Mama, du hast mich doch nie geschlagen“, schildert die leibliche Mutter eines der letzten Telefonate mit ihrer Tochter. Verzweiflung spricht aus der jungen Frau, als sie davon erzählt, wie eine Sachbearbeiterin des Jugendamtes zu ihr gekommen sei und gesagt haben soll: „Ich habe schlechte Nachrichten. Ich mache mir Sorgen um Talea. Sie ist apathisch geworden. Sie ist in der Dusche zusammengebrochen und wurde bewusstlos auf der Toilette gefunden.“

Das sei etwa vor zwei Wochen gewesen, bevor das Mädchen starb. Bei diesem Gespräch in der Klinik Langenberg, das die Stadt nicht bestätigen wollte, war ein Sozialarbeiter anwesend. Taleas Mutter macht dort eine Alkohol-Therapie. Der Sozialarbeiter ist derzeit in Urlaub und nicht erreichbar. Die Angehörigen sprechen von faustgroßen Hämatomen.

Warum hat das Jugendamt das Kind nicht aus der Pflegefamilie geholt, wenn die Sachbearbeiterin alarmiert war, fragt die Mutter immer wieder. „Ich habe alle Untersuchungen bei unserer Kinderärztin machen lassen, Talea war vollkommen in Ordnung“, wehrt sie sich gegen Behauptungen, das Kind hätte Bewegungsstörungen gehabt, sei deswegen oft hingefallen und habe daher blaue Flecken.

Die Mutter hatte sich selbst an das Jugendamt gewandt. Dass man ihr ohne Vorwarnung die beiden Mädchen, Talea hat eine zweijährige Schwester, abnehmen und in eine Pflegefamilie geben würde, hatte sie nicht geahnt. „Hätte ich das Jugendamt nicht angerufen, würde meine Kleine noch leben“, sagte sie leise.

Kölnische Rundschau 27.03.08, 22:05h

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Die Odysee einer Fünfjährigen

Wuppertal: Mitarbeiter des Jugendamts unter Druck

Im Fall der getöteten Talea aus Wuppertal stehen Mitarbeiter des Jugendamts unter dringendem Verdacht Frühwarnungen für die Misshandlung der Fünfjährigen ignoriert zu haben.

Tally, Talea wurde nur fünf Jahre alt. Viele Plüschtiere, Kerzen und Schilder mit der einfachen Frage nach dem >>Warum<< erinnern in der Kleestrasse in Wuppertal -Heckinghausen an das Schicksal des Mädchens. Talea war vor ihrer Odysee bei ihren richtigen Eltern aufgewachsen. Von dort wurde sie Anfang September 2007 herausgenommen und kam in die Pflegefamilie. Der Grund waren Alkoholprobleme der leiblichen Mutter. Nach der Trennung warb der leibliche Vater für eine Zurückführung des Kindes in seine Obhut. Ohne Erfolg bis zum verhängnisvollen Dienstag vergangener Woche, wo Notärzte vergeblich um das Leben der kleinen Talea kämpften. Sie kam in die Helios-Klinik in Wuppertal, wo sie wenig später verstarb. Eine Leichenschau bestätigte die Vermutung eines gewaltsamen Todes. Talea starb durch Misshandlung. Die Staatsanwaltschaft plädiert auf Totschlag. Die 38-jährige Pflegemutter Kaja G. hatte damals selbst den Notruf gewählt und die Rettungskräfte verständigt.Bei dem Kind wurden Hämatome als Spuren äußerer, körperlicher Misshandlungen festgestellt. Das vorläufige Obduktionsergebnis bestätigte einen gewaltsamen Tod.

Zu der leiblichen, 35-jährigen Mutter bestand unregelmäßiger Kontakt, wobei sie in der neuen Wohnung nach internen Informationen gar nicht zugegen gewesen sein soll. Zu dem gleichaltrigen Vater hatte Talea kaum Kontakte. Die leiblichen Eltern werden seitens der Polizei betreut.Der Pflegefamilie, in welcher auch zwei eigene Kinder lebten, waren keine weiteren Pflegekinder zugewiesen. Die leiblichen Kinder der Pflegefamilie befinden sich derzeit in gesicherter Obhut und Betreuung. Unter dem dringenden Tatverdacht des Totschlags an Talea S. wurde die Pflegemutter am 21.03.2008 dem Haftrichter vorgeführt, der einen Untersuchungshaftbefehl gegen sie erließ. Auch in der Untersuchungshaft schweigt sie zu den Vorwürfen.In den laufenden Ermittlungen ergaben sich Anhaltspunkte darauf, dass verantwortlichen Institutionen bereits vor dem Tod der Talea Hinweise auf Verletzungen vorlagen. Es wird insoweit auch untersucht, wie die Beteiligten strafrechtlich verantwortlich sind. Ein Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter des Jugendamtes Wuppertal wurde eingeleitet. Am gestrigen Nachmittag wurden Räumlichkeiten des Jugendamts mit Zustimmung der Stadt Wuppertal durchsucht und Akten sichergestellt. Die Ermittlungen dauern an.Unklar ist z.B. der Umstand, das die leibliche Mutter bei dem Kind in der näheren Vergangenheit ein blaues Auge festgestellt hatte. Daraufhin verständigte die Oma der Talea eine zuständige Mitarbeiterin des Kinderpflegedienstes (eine Abteilung des Jugendamts für Hilfe an Kindern). Es passierte dennoch nichts weiter. Die Pflegemutter ließ sich dahin gehend ein, das sie Taleas blaues Auge mit einem Treppensturz erklärte. Die leiblichen Eltern stehen unter Schock und können noch nicht viel dazu sagen. Sie werden höchstwahrscheinlich in der Nebenklage auftreten. Timo Tasche

Timo Tasche meint: Sollten sich die schweren Vorwürfe bestätigen, sollte das Jugendamt darüber nachdenken mehr und qualifiziertere Mitarbeiter einzustellen. Medienberichten zu folge sind Jugendämter mit ihrer Arbeit derartig überfordert, das eine sichere Einschätzung der Lebenssituation der Schutzbefohlenen Kinder nicht regelmäßig überwacht werden kann, obwohl in diesem Konkreten Fall sogar eine Mitarbeiterin einer Institution des Jugendamts am gleichen Tag der Tat in der Wohnung in Wuppertal gewesen sein soll. (Information noch nicht bestätigt)

PR, 27.03.2008

 

 

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