Nachrichten / Jahrgang 2008

 

Verhungerte Lea-Sophie

Ausschuss sieht eklatante Versäumnisse

 

Der qualvolle Hungertod der kleinen Lea-Sophie in Schwerin wäre nach Ansicht des Sonderausschusses der Stadtvertretung zu vermeiden gewesen – bei „sachgerechterer“ Arbeit des Jugendamtes.

Davon sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auszugehen, heißt es im am Donnerstagabend verabschiedeten Abschlussbericht des Ausschusses, der die Todesumstände der Fünfjährigen klären sollte. Trotz der unbestrittenen Hauptschuld der Eltern, gegen die Mordanklage erhoben wurde, hätten in diesem Fall zum Teil eklatante Mängel in der Bearbeitung durch das Jugendamt vorgelegen. Der Bericht war mit sieben Ja-Stimmen angenommen worden, die CDU/FDP-Fraktion reagierte mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme.

Im Ergebnis der mehrwöchigen Untersuchungen forderte der Ausschuss, zwingend Schlussfolgerungen aus dem Fall zu ziehen und Initiativen einzuleiten, „um künftig ähnliche Vorkommnisse mit größtmöglicher Sicherheit zu verhindern“.

Oberbürgermeister droht Bürgerentscheid über Abgang
Der Bericht über den Hungertod der Fünfjährigen im November 2007 listet detailliert Schwachpunkte und Fehler in der Arbeit des Jugendamtes auf. Er deckt sich damit im Wesentlichen mit dem ersten Untersuchungsbericht der Stadtverwaltung von Ende Januar, in dem ebenfalls „eklatante Versäumnisse und organisatorische Mängel“ im Jugendamt aufgedeckt worden waren.

Am Montag soll der Bericht der Stadtvertretersitzung vorgelegt werden. Auf der Tagesordnung steht dann auch die Entscheidung darüber, ob sich Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) einem Bürgerentscheid zum Verbleib im Amt stellen muss. Claussen und der damalige Sozialdezernent Hermann Junghans (CDU) waren in die Kritik geraten, weil sie dem Sonderausschuss nach Ansicht der meisten seiner Mitglieder lange Zeit wichtige Informationen vorenthielten.

Lea-Sophie war am 20. November gestorben, kurz nachdem sie in ein Schweriner Krankenhaus gebracht worden war. Laut Gerichtsmedizin war sie auf 7,4 Kilogramm abgemagert. Das Jugendamt war in die Kritik geraten, weil es Warnhinweisen des Großvaters von Lea-Sophie offenbar nicht entschieden nachgegangen war. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft.

stj/dpa/ddp, 27.3.

 

 

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