FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2008

 

 Experten durchleuchten Jugendamt

Stadt beauftragt Deutsches Jugendinstitut und nimmt Stellung
zum gewaltsamen Tod eines Babys

 

Lüneburg. Die Verwaltungsspitze schaltet das Deutsche Jugendinstitut aus München ein, um die Entscheidungsabläufe des Lüneburger Jugendamtes zu beleuchten. Die Fachleute sollen klären, ob sich Mitarbeiter fachlich richtig verhalten haben und ob die Arbeit künftig verbessert werden kann. Das teilten Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Sozialdezernent Peter Koch gestern auf einer Pressekonferenz im Traubensaal des Rathauses vor einem Dutzend Journalisten mit. Hintergrund ist der gewaltsame Tod eines Babys in einer Wohnung auf dem Kreideberg. Eine 17-Jährige hatte den Säugling nach der Geburt erstickt und unter dem Bett versteckt. Die Großmutter fand die tote Enkeltochter nach mehr als drei Wochen in einer Plastiktüte.

Nach einem Bericht in der Landeszeitung, in dem die Schwester der mutmaßlichen Kindsmörderin Vorwürfe gegen das Jugendamt erhoben hatte, hatte die Stadt nun zum Medien-Gespräch eingeladen. Ursprünglich sollten wohl auch Sozialamtschef Eckhard Rödenbeck und Jugendamtsleiterin Marlis Otte sprechen, ihre Namensschilder wurden dann aber ohne Erklärung wieder abgeräumt.

Mädge sagte, die Stadt habe im Juli vergangenen Jahres durch die Schwester von der möglichen Schwangerschaft der Jugendlichen erfahren. Koch ergänzte, der Sozialarbeiter habe sich mit der Frage beschäftigt, ob er dieses Thema in der betreffenden Familie ansprechen solle, sich dann aber dagegen entschieden. Das ergebe sich aus Aktennotizen. Auf die Frage der LZ, ob es nicht generell nahe liege, eine minderjährige Schwangere und ihre Familie anzusprechen, auch um auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen, antwortete der Oberbürgermeister, dass die Stadt dieser "bohrenden Frage" nachgehen müsse. Man wolle aber nicht einen Mitarbeiter als "Bauernopfer" fallen lassen. Sicherlich würde heute auf einen entsprechenden Hinweis anders reagiert.

Mädge betonte, dass es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass der laut Koch "voll ausgebildete Sozialarbeiter mit fundierter Berufserfahrung" überlastet gewesen sei.

Die Stadt habe in den vergangenen sieben Jahren im Jugendbereich fünf neue Stellen geschaffen, arbeite zudem in zehn Stadtteilzentren mit freien Trägern wie der Caritas zusammen, um ein niedrigschwelliges Angebot zu gewährleisten. Doch klar müsse auch sein: "Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Wir können keinen Sozialarbeiter 24 Stunden am Tag in eine Familie schicken." Zumal die betroffene Familie nicht als besonders belastet galt und im Zweifel um Hilfe ersucht habe.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg, Angelika Klee, sagt, die Behörde sei dabei, den Tod des Säuglings zu klären: "Sicher gibt es weitere Vernehmungen, auch im Umfeld des Mädchens." Aber aktuell ermittle die Staatsanwaltschaft nicht gegen Mitarbeiter der Stadt oder die Familie.

LN, 1.2.

 

 

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