FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2008

 

Stadt setzt auf mehr Beratungsangebote

 

BONN. „Jeder Fall einer Kindesgefährdung ist ein Fall zu viel“, meint Udo Stein. Deshalb setzt der Leiter des Amtes Kinder, Jugend und Familie auch voll auf die Karte „Prävention“. Ein so genanntes Kinderschutzkonzept soll verhindern, dass Gewaltverbrechen an kleinen Kindern wie in Bremen in Bonn geschehen. In einer Pressekonferenz wurden die Leitlinien vorgestellt.

Andrea Steinhart von der Jugendhilfeplanung hat die 132 Bonner Fälle analysiert, in denen das Jugendamt 2006 durch Hinweise aus der Bevölkerung auf möglicherweise vernachlässigte, gefährdete Kinder weitere Nachforschungen anstellen musste. Im Endeffekt kam sie zum Ergebnis, dass die auffälligen Familien dem Jugendamt oft zuvor schon bekannt waren. „Es ist also sinnvoll, das Angebot zu verbessern, nicht nach weiteren Risikofamilien zu suchen“, schlussfolgert Steinhart. Oft seien die Mütter und Väter von Armut betroffen, psychisch krank oder suchtgefährdet. Insgesamt fehle ihnen die Fähigkeit sich zu organisieren. „Die betroffenen Familien sind niemals Sadisten“, meint Stein.

Deshalb will das Kinder- und Jugendamt die Beratungsangebote verbessern. Dafür soll das Modellprojekt „Frühe Hilfen im Stadtteil“ einen Ansatz liefern: Betreuungs- und Schulungsangebote aus einer Hand sollen zu selbstständigem Handeln anleiten.

In der Beschlussvorlage zum Konzept, das am Mittwoch der Jugendhilfeausschuss einstimmig beschlossen hat, spielt deshalb das Wort „Vernetzung“ eine ganz besondere Rolle. Das Jugendamt ist bereits dabei, Kontakte zum Gesundheitsamt, zu Krankenhäusern, Ärzten und Hebammen weiter auszubauen. „Mit diesem Angebot rennen wir offene Türen ein“, bemerkt Steinhart. Viele Ärzte wüssten sich im Fall von Auffälligkeiten nicht richtig zu verhalten, kennen auch den Vorgang der anonymen Anzeige nicht.

Neben dieser Aufklärungsarbeit nennt das Kinderschutzkonzept eine weitere Qualifizierung von Fachkräften als Schwerpunkt durch Informationsveranstaltungen, Workshops und Ausbildung zu Kinderschutzfachkräften.

Alles in allem dürfen die künftigen erweiterten Aufgaben kein weiteres Geld verschlingen. Insgesamt stehen jährlich 35 Millionen Euro für „Hilfen zur Erziehung“ zur Verfügung, die der Stadtrat aufgrund der bedrohlichen Haushaltslage allerdings bis 2009 um 1,3 Millionen Euro beschnitten hat.

Dennoch sichert der Amtsleiter zu, dass jedem bedürftigen Kind die nötige Hilfe zukommt. „Wenn es nötig ist, holen wir die Kinder auch sofort aus den Familien“, sagt Udo Stein. Neun Mal ist es dazu im vergangenen Jahr gekommen.

Kölnische Rundschau, 10.01.08

 

 

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