FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2007

 

 Mutter quälte Sohn mit Feuerzeug

 

Vor dem Jugendschöffengericht Meldorf (Kreis Dithmarschen) wird der Fall einer Mutter verhandelt, die ihre Kinder auf unvorstellbar grausame Weise misshandelt haben soll. Und wieder steht das Jugendamt in der Kritik.

Meldorf - Die Angeklagte heißt Verena B. (31), wohnt in Marne. Heute hat sie fünf Kinder von drei Vätern, zur Tatzeit im Jahr 2005 waren es vier. Die Staatsanwältin wirft der Mutter Misshandlung von Schutzbefohlenen vor.

Verena B. soll laut Anklage ihre damals einjährige Tochter Leonie fast verhungert haben lassen. Ihren sechsjährigen Sohn Maximilian prügelte sie mit einem Kochlöffel so stark, dass er überall am Körper blaue Flecken hatte. Außerdem soll sie seine Hand festgehalten und die Handfläche mit einem Feuerzeug verbrannt haben, bis sich Blasen bildeten. Ihren zweijährigen Sohn Yannik soll die Angeklagte mit vollen Windeln in eiskaltes Badewasser gesetzt haben. Um seine Schreie nicht zu hören, schloss sie die Tür.

Rechtsanwältin fragt: "Warum ist dem Jugendamt nichts aufgefallen?"
Verena B. bestreitet alle Vorwürfe. Sie sagt: "Das Jugendamt war jeden Dienstag bei mir, hat alles kontrolliert." Und ihre Rechtsanwältin fügt hinzu: "Wenn das Jugendamt ständig vor Ort war, wieso ist denen dann nichts aufgefallen?"

Das würde auch die Richterin gerne wissen, doch die zuständigen Mitarbeiterinnen  des Amtes haben keine Aussagegenehmigung. Sie sollen nun am nächsten Prozesstag als Zeugen vernommen werden.

Nachbarn berichten, wie sehr die Kinder litten. "Maximilian schrie vor Schmerz und Angst, als seine Mutter ihn mit dem Feuerzeug verbrannte", sagt eine Altenpflegerin (33), die Augenzeugin der Tat geworden war. "Warum haben Sie nicht eingegriffen?", will die Richterin wissen. Die Altenpflegerin: "Ich wollte, aber Verena brüllte mich an, das seien ihre Erziehungsmethoden. Ich hatte außerdem Angst, dass sie ihre Hunde auf mich hetzt. Sie ist ja sehr gewalttätig."

Mutter schloss den Kühlschrank ab, ließ ihre Kinder hungern
Verena B.s Tochter Leonie kam nach einer Routineuntersuchung sofort in die Heider Kinderklinik. Als "mager, ausgezehrt und apathisch", beschrieb die Krankenhausärztin das Kind bei der Aufnahme. Sie informierte das Jugendamt. Verena B. zur Richterin: "Meine Kinder waren halt alle sehr schlank." Die Mutter habe den Kühlschrank abgeschlossen, damit die Kinder nicht rankamen, erklärt der Vater von Leonie und Yannik. "Sie hat die Kinder allein gelassen, ist in die Disco gegangen und schlief bis mittags. Nach der Trennung habe ich die Kinder zu mir genommen."

Mittlerweile lebt keines der fünf Kinder mehr bei der Mutter, der Prozess wird kommenden Montag fortgesetzt.

12. Dezember 2007 | sh:z

 

 

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