FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2007

 

Kinderschützer fordern unabhängige Untersuchung

 

Kinderschützer und Politiker kritisieren nun die Behörden im Kreis Plön: Das Zusammenspiel von Gesundheits- und Jugendamt sei mangelhaft, heißt es.

Darry - Nach dem fünf fachen Mord der psychisch kranken Mutter an ihren Söhnen in Darry (Kreis Plön) gibt es Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung der von Jugend- und Gesundheitsamt geleisteten Hilfen. "Ich habe Zweifel, ob die psychische Erkrankung und das Risikopotenzial für die Kinder ausreichend erkannt worden sind", sagte der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe Direkt, Georg Ehrmann. Es seien Fragen offen, die ein Untersuchungsausschuss oder ein unabhängiges Gremium klären müssten. "Die Krankheit muss unterschätzt worden sein, wir haben fünf tote Kinder." Die Grünen im Kieler Landtag sehen ebenfalls Bedarf für eine Untersuchung.

Ehrmann kritisierte die Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Plön, Petra Ochel. "Wenn ich öffentlich sage, dass eine stationäre Einweisung der Mutter sinnvoll gewesen wäre, ist zu fragen, warum das nicht geschehen ist. Und es ist zu fragen, warum dies nicht zum Anlass für eine Prüfung genommen wurde, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt." Ochel hatte in der ARD-Sendung "Anne Will" darauf verwiesen, dass zu einer stationären Einweisung der Frau keine rechtliche Handhabe vorlag. Sie hatte der Familie am 16. August einen Besuch abgestattet, nachdem der Ehemann von religiösen Fantasien der Frau berichtet hatte. Ehrmann bemängelte ein fehlendes Zusammenspiel von Jugend- und Gesundheitsamt. Die Behörden hatten die Familie seit August betreut.

Innenminister Ralf Stegner (SPD) sagte bei "Anne Will", in der Rechtsprechung müsse das Kindeswohl künftig Vorrang vor dem Erwachsenenwohl haben. Die Rechte von Kindern sollten im Grundgesetz verankert werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte als Konsequenz aus den jüngsten Fällen angeregt, am 19.Dezember bei der Ministerpräsidentenkonferenz mit den Regierungschefs über das Problem der Vernachlässigung von Kindern zu reden.

Der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick sagte, dass die 31-jährige Mutter der toten Kinder Justin, Jonas, Ronan, Liam und Aidan einen Pflichtverteidiger bekommen habe. Sie wird des fünffachen Mordes beschuldigt, allerdings im Zustand der vollständigen Schuldunfähigkeit. Derzeit befindet sie sich in einer psychiatrischen Klinik. Die Polizei sucht weiterhin einen Taxifahrer, der die Frau am Mittwoch nach der Tat von Kiel zur Psychiatrie in Neustadt gefahren hat. Dort hatte sie einem Arzt die Tat gestanden.

Die Gemeinde Panker, in der das Dorf Darry liegt, hat gemeinsam mit der Kirchengemeinde Lütjenburg ein Spendenkonto zur Unterstützung der Angehörigen beim Begräbnis der Kinder eingerichtet.

SHZ, 11. Dezember 2007, dpa

 

 

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