FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2007

 

Erneut misshandeltes Kind in Deutschland entdeckt

 

Ein zweijähriger in Duisburg wurde am ganzen Körper verletzt.

Schon wieder ein Fall von Kindesvernachlässigung in Deutschland: In Duisburg hat die Polizei einen stark unterernährten und am ganzen Körper verletzten Zweijährigen aus einer völlig verwahrlosten Wohnung gerettet. Lebensgefahr bestehe nicht, berichteten die Beamten am Dienstag.

Eltern drogensüchtig
Sie seien am Montag wegen eines Streits der 24-jährigen Mutter mit ihrem gleichaltrigen Lebensgefährten in die Wohnung gerufen worden. Dabei sei den Beamten das Kleinkind aufgefallen, das auf dem Boden lag. Ärzte stellten am ganzen Körper des Jungen Stoß- und Schlagverletzungen fest. Das Paar sei bei der Polizei als Drogenkonsumenten bekannt.

Das Jugendamt habe die Vormundschaft für das Kind beantragt und werde den zwei Jahre und sieben Monate alten Buben nun zunächst in einer Pflegefamilie unterbringen, sagte der Leiter des Duisburger Jugendamts, Thomas Krützberg, am Dienstag. Bei dem Streit des Paares sei es um den Zustand des kleinen Buben gegangen.

Das Kind sei zuvor von der Mutter in die Obhut ihres Lebensgefährten gegeben worden, weil sie wegen eines Beinbruchs vier Wochen in einem Krankenhaus behandelt worden sei. Nach Darstellung des Jugendamtes hat die Frau selbst die Polizei gerufen, als der Mann ihr am Montag die Herausgabe des Kindes verweigert habe.

Die Polizei teilte mit, der Bub habe unter anderem eine Brandwunde am Fuß. Nach bisherigen Erkenntnissen sei das Kind so dafür bestraft worden, immer wieder in die Hose gemacht zu haben.

Kind schlief auf dem Fußboden
Ein Bett für den kleinen Buben habe es in der Wohnung des Mannes nicht gegeben, der Kleine musste auf dem Fußboden schlafen. Gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten sei Haftbefehl wegen Kindesmisshandlung ergangen, sagte ein Polizeisprecher. Beide säßen in Untersuchungshaft.

Das Duisburger Jugendamt sieht nach Angaben von Krützberg keine Versäumnisse bei der Betreuung der Mutter und ihres Kleinkinds. In der Wohnung der Frau sei der Bub nach den Beobachtungen des Amts ausreichend versorgt worden und habe dort auch ein Bett gehabt.

Die Frau habe lediglich die Termine für einige Vorsorgeuntersuchungen nicht rechtzeitig wahrgenommen. "Es bestand überhaupt kein Grund, eine erzieherische Maßnahme zu installieren." Zuletzt habe es Ende September einen Hausbesuch bei der Frau gegeben.

Der Fall der kleinen Lea-Sophie
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es unterdessen eine Woche nach dem Hungertod der kleinen Lea-Sophie aus Schwerin erste Konsequenzen zur Verbesserung des Kinderschutzes. Einige Jugendämter haben ihre Verfahren bei Hinweisen auf Vernachlässigung von Kindern ergänzt. In Neubrandenburg wollen die Sozialarbeiter des Jugendamtes künftig darauf bestehen, das betreffende Kind zu sehen.

Rostock plant mit Hilfe einer "mobilen Truppe", die Kommunikation zwischen Gesundheits- und Jugendamt, Schulbehörde und Polizei sowie Krankenhaus und Staatsanwaltschaft zu verbessern. Die oppositionelle Linksfraktion im Landtag kündigte einen Gesetzentwurf für frühkindliche Pflichtuntersuchungen in Mecklenburg-Vorpommern an.  

APA 27.11.2007

 

 

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