FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2007

 

Jugendamt schaute weg

 

Ärzte wussten schon im Sommer von Misshandlungen des kleinen Luca
Kind wurde trotz Warnungen der Mutter zurückgegeben.
 

Wien/Mödling/Innsbruck. (wegro) Wieder einmal ist ein Kind Opfer offensichtlich überforderter Erwachsener geworden – wieder einmal haben die Jugendämter nichts gemerkt. Wie der "Kurier" herausfand, hat ein Mödlinger Kinderarzt bereits im Juli massive Verletzungen beim Samstag verstorbenen Luca festgestellt und dem Jugendamt gemeldet. Vergeblich. Auch in einer Innsbrucker Klinik war das 17 Monate alte Kind aufgrund von Misshandlungsspuren im Juli und Oktober aufgefallen.

Es habe "eindeutige Verletzungsmuster gegeben, die nicht mit versehentlichen Unfällen zu erklären waren", betont Oberarzt Jürgen Brunner von der Innsbrucker Kinderklinik. Der Mödlinger Primarius Erwin Hauser hat – ebenfalls im Juli – sogar das lokale Jugendamt informiert, schriftlich wie mündlich, und explizit ein Ausfolgeverbot des Buben an die Eltern gefordert – weil er das Kind gefährdet sah.

Doch die Mödlinger Jugendwohlfahrt tat nichts dergleichen: Man gab das Kind der aus dem Tiroler Schwaz stammenden Mutter zurück, ihr 23-jähriger Lebensgefährte aus Wien-Umgebung soll das Kind weiter misshandelt haben; es starb Samstag im Wiener SMZ-Ost. Laut Obduktion ist der Bub erstickt, nachdem ihm Mund oder Hals zugedrückt worden sind.

Amt nicht mehr besetzt
Das Mödlinger Jugendamt gab der "Wiener Zeitung" am Freitag keine Stellungnahme. "Das macht jetzt alles das Büro des Bezirkshauptmannes", hieß es zunächst. Dort teilte schon zu Mittag ein Tonband mit, dass das Amt nicht mehr besetzt sei.

Wie schwer es ist, einer leiblichen Mutter das Kind wegzunehmen, zeigt sich regelmäßig bei Sorgerechtsprozessen von Vätern, die ihre Kinder gefährdet wähnen. Auch in diesem Fall wurden offenbar Warnungen seitens des Vaters ignoriert. Er will die Behörden nun verklagen. Das heimische Sorgerecht spricht Kinder fast immer automatisch Müttern zu.

Wiener Zeitung, 09. November 2007

 

 

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