FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2007

 

Vater für Missbrauch verurteilt - „Dieses Urteil
ist eine Befreiung” 

 

Melanie wurde neu Jahre lang von ihrem eigenen Vater missbraucht. Auch die Mutter unternahm nichts. Jetzt muss der Vater für vier Jahre in den Knast - eine Befreiung für Melanie.

von Barbara Kirchner

Neun Jahre lang missbraucht vom eigenen Vater (heute 83). Niemand half Melanie (Name geändert, heute 24).

Als sie neun Jahre alt war, verging sich ihr Vater zum ersten Mal an ihr. Sie suchte verzweifelt Verbündete. Doch die eigene Mutter unternahm nichts, kassierte sogar Hurenlohn für die Tochter.

Und das Jugendamt? Dort wusste man vom Missbrauch, legte die Hände in den Schoß. Am Montag endlich Befreiung für Melanie: Ihr Vater wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.

Das kleine Mädchen vertraute Karl W. (83). Er war ja schließlich ihr Vater. Als sie von einem Nachbarsjungen missbraucht wurde, erzählte sie es ihm. Doch statt Mitleid oder Empörung schlug Melanie eine ganz andere Stimmung entgegen. „Dann kannst du das mit deinem Vater auch machen“, stellte Karl W. eiskalt fest.

Nach der Schule, auf Ausflügen, im Kinderzimmer oder Büro – Karl W. verfügte über seine Tochter, wie er wollte. Anschließend gab‘s Geld. Mal zehn Mark, mal sechzig. Melanies Mutter hielt die Hand auf, kassierte das „Honorar“.

Melanie vertraute sich einer Psychologin vom Jugendamt an. Sie traute sich aber nicht, Anzeige zu erstatten. Ein verwirrtes Kind zwischen Liebe zu den Eltern und brutalem Missbrauch. Die Mutter versprach den Fürsorgern, den Kontakt mit dem Vater abzubrechen.

Doch die Vergewaltigungen gingen weiter. Als Melanie ihren Freund kennen lernte, entschloss sie sich, den Peiniger vor Gericht zu bringen.

Karl W. präsentierte sich dort als alter, schwerkranker, starrköpfiger Mann. Nur zögernd legte er ein Geständnis ab. Vom Krebs gezeichnet, muss er nun die letzten Lebensjahre im Knast verbringen.

Auch Melanie werden die Folgen des Missbrauch lebenslang begleiten. Trotzdem ist sie erleichtert. Melanie: „Ich kann wieder schlafen. Es ist wie eine Befreiung für mich. Er ist damit nicht durchgekommen.“

[Express, 13.08.2007]

 

 

 

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