FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2002

 

BISHER HAT JEDE HILFE VERSAGT
Teurer Einzelunterricht für Problemmädchen nötig

VON CHRISTOPH GAHLAU

 

Bei der schwer erziehbaren 12-jährigen Sandra (Name geändert) hat bisher offenbar jede staatliche Hilfe versagt. Nach rund einem dreiviertel Jahr Aufenthalt in einem geschlossenen Heim in Gauting hat nun die Heimleitung aufgegeben. Dies bestätigte Frithjof Dier, Abteilungsleiter des Schul- und Jugendamtes im Forchheimer Landratsamt, auf Anfrage.

EGGOLSHEIM - Vor rund einem Jahr hatte die heute zwölfjährige Sandra den Unterricht so massiv gestört, dass die Eltern damals ihre Kinder für mehrere Tage nicht in die Schule schickten. Ihre Mitschüler bedrohte sie damals massiv: Sätze wie ,,Dich mach' ich tot'' sollen keine Seltenheit gewesen sein. Ein geregelter Unterricht in der Anwesenheit von Sandra sei nicht möglich gewesen, sagte der damalige Klassenleiter, Edgar Kleinlein. Mitten während des Unterrichts sei Sandra aufgestanden, um sich zu schminken oder
Schulamt muss Privatlehrer finden

habe das Klassenzimmer verlassen, um eine Zigarette zu rauchen. Freundliche Ermahnungen wie auch die Androhung von Schulstrafen seien an der damals Elfjährigen abgeprallt. Die Eltern der Mitschülern berichteten damals: ,,Unsere Kinder haben vor Sandra Angst.'' Vieles wurde versucht, das schwierige Mädchen an Regeln zu gewöhnen. Auch ein Aufenthalt in einer Bamberger Pflegefamilie scheiterte bereits nach zwei Wochen. Das Forchheimer Familiengericht entschied schließlich, Sandra für ein halbes Jahr in einem geschlossenen Heim unterzubringen. Dieser Aufenthalt wurde noch einmal verlängert. ,,Kurz vor Ablauf der neuen Frist erklärte die Heimleitung, es habe keinen Zweck mehr'', sagte Dier. Per Gerichtsurteil wurde dem Forchheimer Jugendamt das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Zwölfjährige übertragen. Für das Schulamt ist diese Situation jetzt äußerst unangenehm. Nachdem bereits der Unterricht in einer Regelschule und auch in der Schule für schwer erziehbare Kinder gescheitert ist, sind die Behörden nun bemüht, einen Privatlehrer für Sandra zu finden. Schließlich gilt in Deutschland die Schulpflicht. Die Erziehungsberechtigten seien informiert, dass für ihre Tochter der Besuch in der Regelschule nicht möglich ist. Kosten von 40000 bis 50000 Euro pro Jahr

Ob der Privatunterricht für Sandra, die sich bislang den meisten Erziehungsmaßnahmen verweigert hat, zum Erfolg führen wird, ist selbst für den Abteilungsleiter fraglich. ,,Wir hoffen eben, dass ihr beim Einzelunterricht die Bühne genommen wird, um sich zu präsentieren.'' Zwei bis drei Stunden soll die Zwölfjährige jeden Tag unterrichtet werden. Die Finanzmittel von der Regierung von Oberfranken stehen bereits zur Verfügung. Dier wollte nicht bestreiten, dass dieser Einzelunterricht dem Steuerzahler zwischen 40000 und 50000 Euro pro Jahr kosten wird. Die Hoffnung, dass Sandra - wie andere Kinder auch - irgendwann einmal wieder in einer Klassengemeinschaft unterrichtet werden könnte, hat der Jugendamtsleiter aber noch nicht aufgegeben. ,,Wir hoffen, dass sich die Psyche des Mädchens im Laufe der Jahre noch festigt'', sagt er.
Frankenpost - Lokales - 15.1.2002

s.a. Hauptschule und Jugendamt kapitulieren

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