Nachrichten / Jahrgang 2007

 

Neuer Leitfaden für Schutz gegen Kindesmisshandlung


Frühwarnsystem in Sachsen-Anhalt weiter ausgebaut – Ministerin will Vorsorgeuntersuchungen verbindlich machen

Magdeburg – Angesichts immer neuer Fälle von Gewalt und Verwahrlosung hat Sachsen-Anhalt das Frühwarnsystem zum Schutz vor Kindesmisshandlung ausgebaut. Dafür stellte eine Expertenkommission im Auftrag des Landes und der Techniker Krankenkasse (TK) eine Broschüre speziell für Ärzte zusammen, die Gesundheitsministerin Gerlinde Kuppe am Mittwoch in Magdeburg vorstellte. Der Leitfaden solle helfen, in den Arztpraxen Symptome von Gewalt und Vernachlässigung schneller und zweifelsfrei zu identifizieren.

Zugleich werden rechtliche Hinweise gegeben und Tipps, was und mit welchen Kooperationspartnern zu tun ist, wenn es einen begründeten Verdacht auf Kindesmisshandlung gibt, wie Jens Hennecke, Leiter der TK-Landesvertretung erklärte.

Dieter Körholz, Chef des Expertenrates, verwies auf das Ausmaß der Gewalt an Kindern in Deutschland. Laut einer Statistik der Kinderschutzorganisation UNICEF sterben in der Bundesrepublik pro Woche zwei bis drei Kinder an den Folgen von Misshandlung oder Vernachlässigung. Die Zahlen seien sicher nicht überschätzt, sagte der Professor mit Blick auf die hohen Dunkelziffer. Doch neben den körperlichen Verletzungen gebe es auch seelische Gewalt, fügte Körholz hinzu.

Der Leitfaden definiert die unterschiedlichen Arten der Gewalt gegen Kinder, unterstützt unter anderem mit Fotos aus der Rechtsmedizin der Magdeburger Universitätsklinik. In weiteren Kapiteln werden den Medizinern rechtliche Rahmenbedingungen und Ansprechpartner genannt. Die Broschüre wird es demnächst in allen Arztpraxen und Kliniken Sachsen-Anhalts sowie im Internet geben.

Der neue Leitfaden ist Bestandteil des Frühwarnsystem zum Schutz vor Kindesmisshandlung in dem Bundesland. Eine wichtige Rolle dabei spielen auch die rund 20 Familienhebammen, die über die Geburt eines Kindes hinaus Familien betreuen. Die Expertinnen verfügen über eine Zusatzqualifikation des Bundes Deutscher Hebammen.

Die SPD-Politikerin Kuppe kündigte ein Landesgesetz an, mit dem die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder verbindlich werden. Eltern, die mit ihren Sprösslingen die Untersuchungen nicht wahrnehmen, sollen zunächst angeschrieben werden. Reagieren sie nicht, folgt ein Hausbesuch vom Jugendamt, wie Kuppe erklärte. „Es geht um das Wohl der Kinder.“ (AP)

 

 

 

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