FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2007

 

 Baby lebensgefährlich misshandelt

Mutter und ihr Freund wurden festgenommen

von Andreas Kopietz und Thorkit Treichel

 

Mit lebensgefährlichen Verletzungen ist am Montag ein Säugling ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Polizei geht davon aus, dass der sechs Monate alte Junge aus der Tieckstraße in Mitte misshandelt wurde.

Um 12.44 Uhr hatten die Eltern den Feuerwehrnotruf 112 alarmiert, weil das Kind Erbrochenes eingeatmet hatte und zu ersticken drohte. Ein Notarzt brachte das Baby ins Vivantes-Klinikum Friedrichshain. In der Klinik stellten die Ärzte bei dem Jungen mehrere Verletzungen fest. Weil sie kaum Folgen eines Unfalls sein konnten, etwa eines Sturzes von einem Wickeltisch, informierten die Ärzte die Polizei. Das für die Verfolgung von Kindesmisshandlungen zuständige Kommissariat des Landeskriminalamtes übernahm die Ermittlungen.

Über die Art der Verletzungen gaben weder Polizei noch die Klinik Auskunft. Dem Vernehmen nach soll es sich um innere Verletzungen und Knochenbrüche durch Schläge handeln. "Noch ist unklar, wie es zu den Verletzungen kam", sagte ein Polizeisprecher. "Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Kindesmisshandlung dauern an." Die 41-jährige Mutter und ihr 24 Jahre alter Lebensgefährte, der nicht Vater des Jungen ist, wurden festgenommen. Uwe Dolderer, Unternehmenssprecher von Vivantes, sagte: "Der Junge hat schwerste Verletzungen erlitten. Eine Prognose über die weitere Entwicklung des Gesundheitszustandes kann derzeit nicht gegeben werden."

Dietmar Schmidt, Leiter des zuständigen Jugendamtes in Mitte, wusste gestern noch nichts von der Misshandlung. "Für solche Fälle gibt es ein Verfahren, wonach sich die Polizei umgehend bei der Jugendamtsleitung meldet", sagte er. Ihm sei die Familie bislang nicht bekannt. Schmidt sagte, dass für die Betreuung von Babys und Kleinkindern bis zwei Jahren der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst zuständig sei. "Aber bei Anzeichen von Kindeswohlgefährdung wird das Jugendamt sofort eingeschaltet", sagte er.

In solchen Fällen würden zwei Mitarbeiter des Jugendamtes die Eltern aufsuchen. "Wenn Eltern ihre Kinder schlagen, müssen wir mit ihnen ins Gespräch kommen, um die Ursache herauszufinden", sagte Schmidt. Meistens sei Überforderung der Grund dafür, und die Eltern würden Hilfsangebote bereitwillig annehmen. "Wenn Eltern nicht kooperativ sind und eine Gefährdung des Kindes nicht abgewendet werden kann, gehen wir zum Gericht und nehmen es heraus", sagte er.

Um Gefahren rechtzeitig zu erkennen, sei das Jugendamt auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. "Wir haben mit den Schulen verabredet, dass sie erste Anzeichen von Vernachlässigung wie mangelnde körperliche Hygiene melden", sagte Schmidt.

In den vergangenen Monaten sind in Berlin zahlreiche schwere Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung bekannt geworden.

Berliner Zeitung, 25.04.2007

 

 

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