FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2006

 

Tagesmütter gesucht

Kampagne soll besondere Betreuungsform bekannter machen

 

WIESBADEN In der ganzen Stadt werden ab Freitag Plakate und Flyer für die Kindertagespflege werben: Wiesbaden will die Betreuungsform mit Bildungsauftrag bekannter machen, noch mehr qualifizierte Tagesmütter und Pflegekinder gewinnen, und seine Vorreiterrolle ausbauen.

 
Von

Christine Dressler

Im Kinderhaus am Elsässer Platz erklärten gestern die Träger die Hintergründe der Werbeaktion. "Wir professionalisieren das Tagesmütterangebot seit mehr als zehn Jahren", so Sozialdezernent Wolfgang Hessenauer. Er betont, dass es sich bei der eigenständigen Betreuung um keinen Ersatz für die rechnerisch fehlenden 421 Krippenplätze in Wiesbaden handele.

Spezielle AusbildungBeteiligt am Tagesmütterprojekt sind das Amt für soziale Arbeit, der Kinderschutzbund Wiesbaden und das Kinderhaus mit ihren Projekten Kinderbrücke (seit 1994) und Treffpunkt Tagesmütter (seit 2002). Diese bilden Tagesmüttter aus, beraten Eltern und vermitteln die Betreuungsverhältnisse, begleiten diese und klären den finanziellen Teil. Denn ein Kind acht Stunden pro Tag von einer Tagesmutter betreuen zu lassen, kostet je nach Einkommen bis zu 540 Euro pro Monat.

"Zurzeit sind 163 geprüfte Tagesmütter gemeldet", sagt Projektleiterin Gabriel Bootz. Diese betreuen etwa 260 Kinder. 55 dieser Kinder sind mit ihren Tagesmüttern jede Woche einmal in den Spielkreisen der Kinderbrücke, dem "Porsche der Kindertagespflege", wie Bootz sagt. Die Tagesmütter, die sich für mindestens zwei Jahre kontinuierlicher der Betreuung der Kinder verpflichten, seien wichtig, sagen Brigit Apel und Lydia Hassenpflug, weil die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten für die Bedürfnisse vieler Familien nicht reichen.

Das sagt auch Martina Ergänzinger. Die Mutter gab ihren Sohn mit drei Monaten vor anderthalb Jahren zur Tagesmutter, weil sie und ihr Mann arbeiten müssen. "Wir sind mit der Tagesmutter sehr zufrieden, die Flexibilität ist für uns hervorragend, und Daniel ist mit anderen Kindern zusammen", schwärmt Ergänzinger. Sie sagt, dass ihr Sohn morgens begeistert zur Tagesmutter geht, und abends liebevoll die Mama begrüßt.

Keine Mama-Konkurrenz"Ich konkurriere nicht mit der Mama", die Bezugsperson Nummer eins für das Kind bleibe, bestätigt Barbara Fritz. Sie hat 14 Jahre Erfahrung als Tagesmutter. Einige der bis jetzt heute von ihr betreuten 30 Kinder, vom Säugling bis zum Schulkind, hatte sie zeitweise sogar von 7 bis 19 Uhr. Nach zwei Privatpflegejahren mit "viel Ärger" trat sie 1994 der Kinderbrücke bei. Sie habe dort qualifizierte Ansprechpartner, einen festen Vertrag mit Urlaub und Versicherungen. "Für jedes Kind gibt es hier außerdem im Bedarfsfall eine Ersatztagesmutter", sagt Fritz.

All diese Punkte greift die Werbekampagne in der Landeshauptstadt mit nicht gestellten Bildern froher Tagespflegekinder auf. Sie Kampagne gibt zudem darüber Auskunft, wie eine qualifizierte Tagesmutter sowohl Kind als auch Mutter zufrieden macht, die Mutter ergänzt, aber nicht ersetzt, und das Kind zudem auch noch nach dem hessischen Bildungsplan fördert.

Main-Rheiner, 5.9.2006

 

 

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