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NÜRNBERG (ras). Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat von Politikern ein Maßnahmebündel gefordert, um auf die zuletzt aufgedeckten Fälle von Kindesmißhandlung und Vernachlässigung zu reagieren. So verlangt er auch eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht.
Die bisher eingebrachten Vorschläge wie etwa eine Vorsorge-Pflicht reichen nach Einschätzung des BVKJ bei weitem nicht aus. Notwendig sei es vielmehr, bereits im ersten Lebensjahr ein engmaschiges und interdisziplinäres Netz zu knüpfen, um die Risikofamilien frühzeitig herauszufiltern.
Dafür hat sich BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann auf einer Veranstaltung in Nürnberg ausgesprochen. Vorbild für ein solches Modell der "Aufsuchenden Fürsorge" könne die Stadt Dormagen sein. Dort werde jede Familie mit einem Neugeborenen von einem Sozialarbeiter besucht, der herausfinden soll, ob die Familie mit dem Kind allein zurecht kommt.
Falls Unterstützung erforderlich sei, werde diese umgehend angeboten, so Hartmann. Alle Eltern erhielten zudem ein Handbuch mit den relevanten Serviceadressen und Ansprechpartnern der Stadt für die erste Lebensphase ihres Kindes.
Damit Ärzte beim Verdacht auf Kindesmißhandlung besser agieren können, sollte die ärztliche Schweigepflicht gelockert werden, fordert Hartmann. Bisher dürften die Pädiater Behörden nur informieren, wenn schwere Fälle von Mißhandlung offenkundig seien, nicht aber bei einem ersten Verdacht auf Vernachlässigung oder Mißhandlung.
Ärzte-Zeitung, 14.7.06
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