FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2006

 

Ellricher Doppelmord gibt Rätsel auf


ELLRICH (kk). Der Doppelmord lässt Ellrich nicht zur Ruhe kommen. Die Rolle der mit der Betreuung Beauftragten beschäftigt die Nachbarn. Es gibt mehr Fragen als Antworten. Am 28. Juni war bekannt geworden, dass ein 20-Jähriger seine Lebensgefährtin Silvana N. und deren Sohn ermordet hatte. Die beiden waren zu diesem Zeitpunkt schon elf Tage tot.

Das Jugendamt hüllt sich seither zu offenen Fragen in Schweigen - die Nachbarn nicht. Sie wollen gesehen haben, dass die Tochter der Getöteten zwei Tage vor Bekanntwerden der Morde daheim abgeholt wurde und fragen sich, warum keiner in die Wohnung schaute.

Das Landratsamt beharrt weiter darauf, dass Steffen T. am 27. Juni ins Amt bestellt wurde und dann die Kleine in eine Pflegefamilie kam. So oder so: Die Frage steht, wie das Jugendamt mit der Vermisstenmeldung umging. Immerhin wusste man davon schon am 26. Juni. Wie reagierte das Amt also? Zwar schweigt es zur Frage, ob Mitarbeiter am 26. oder 27. Juni nach Ellrich gefahren sind, um nach dem Rechten zu sehen. Doch lässt man mitteilen, dass das letzte Mal am 12. Juni jemand vom Familienzentrum bei Silvana N. war. Damals sei mit ihr auch vereinbart worden, dass am 26. Juni jemand vorbeikommt. Jedoch nur, wenn sie vorher darum bittet. "Einen Verdacht gegen Steffen T. hat niemand gehabt", so Landratsamts-Sprecherin Petra Ebert.

Hinweise von Bürgern will das Jugendamt nie bekommen haben. Anderes ist von den Anwohnern zu hören: Der Hausmeister meinte, er habe am Vormittag des 26. Juni das Familienzentrum über eine angebliche Trennung von Silvana N. und Steffen T. informiert. Erst daraufhin habe T. die Vermisstenanzeige aufgegeben.

Zum "gegebenen Zeitpunkt" will das Landratsamt eine weitere Pressemitteilung abgeben - je nach Stand der Ermittlungen. Mit denen ist die Staatsanwaltschaft in Mühlhausen befasst. Dem Sprecher zufolge gebe es "keine Anhaltspunkte, wonach das Jugendamt irgendetwas falsch gemacht hat".

Thüringer Allgemeine, 04.07.2006 

 

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