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Mainz - Viele Eltern vernachlässigen nach Expertenansicht unwissentlich ihre Kinder. "Gerade in wohlhabenden Familien fehlt oft die notwendige Zuwendung", sagte der Leitende Oberarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Uniklinik Mainz, Ulrich Egle. "In 25 Jahren werden wir die gesundheitlichen Kosten dafür tragen müssen." Auf Einladung der Mainzer Klinik diskutieren Experten bis zum Sonntag über Langzeitfolgen psychischer Belastungen in der Kindheit.
Bleibende Störungen
Fehlende Zuwendung in den ersten beiden Lebensjahren könne zu bleibenden Störungen auch beim Umgang mit Stress führen. "Wenn die Bezugspersonen Kindern in dieser Zeit nicht hinreichend zur Verfügung stehen, kann das Stressverarbeitungssystem im Gehirn, das in dieser Zeit ausreift, gravierend beeinträchtigt werden", betonte der Psychotherapeut. "Bei der Verarbeitung von Stress haben diese Kinder dann körperlich ein Leben lang schlechte Karten." Außerdem könnten sie im Erwachsenenalter eher an Depressionen und Angsterkrankungen leiden.
Wenig Zeit
Gerade wohlhabende Eltern mit starker beruflicher Beanspruchung hätten für ihre Kinder wenig Zeit, sagte Egle. Damit kämen Mädchen noch eher klar als Buben. Während bei Mädchen eher die Qualität der Zuwendung wichtig sei, benötigten Buben auch lange am Tag Aufmerksamkeit. Vor allem im Vorschulalter sei außerdem bei beiden wichtig, dass ihre Bezugsperson nicht ständig wechsle. Dabei sei es unerheblich, ob es eine Frau oder ein Mann sei.
Emotionale Vernachlässigung
Obwohl sexueller Missbrauch in der Öffentlichkeit weit stärker diskutiert werde, könne emotionale Vernachlässigung Kindern genauso schaden, betonte Egle. In den USA werde Untersuchungen zufolge jedes zweite bis dritte Kind emotional vernachlässigt. Die Quote in Deutschland sei nicht bekannt, liege wahrscheinlich aber deutlich darunter. Kurier - 18.10.2001
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