FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2005

 

 Verwahrloste Kinder: Kritik an Stadträtin

Die CDU fordert eine Untersuchung vom Amt

 

SPANDAU. Das Schicksal der beiden verwahrlosten Kinder bringt Jugendstadträtin Ursula Meys (SPD) in Bedrängnis. Die CDU-Fraktion fordert vom Bezirksamt einen detaillierten Untersuchungsbericht und stellte gestern im Bezirksparlament einen entsprechenden Antrag, der von allen Parteien einstimmig angenommen wurde. Die dringendste Frage: Warum suchte das Jugendamt die Familie nicht auf, obwohl es bereits im September 2004 aus dem Wohnhaus Hinweise eines besorgten Hausmeisters gab? "Es muss für die Zukunft ausgeschlossen werden, dass sich solche Fälle wiederholen", sagte Fraktionschef Kersten Schröder.

Der Fall beschäftigt die Verwaltung seit vorigen Freitag: Mitarbeiter des Jugendamtes und der Polizei hatten die sieben und drei Jahre alten Jungen in einer völlig verdreckten Wohnung in der Schäferstraße entdeckt. Die Kinder sind derzeit in einer Kriseneinrichtung untergebracht. Geprüft wird, ob sie zurück zu ihren Eltern kommen oder an Pflegeeltern vermittelt werden.

Nach Ansicht der CDU gebe es "deutliche Anzeichen, dass seitens des Jugendamtes fehlerhaft gearbeitet wurde". Es habe rechtzeitig Hinweise gegeben, denen offenbar nicht sorgfältig nachgegangen wurde. Jugendstadträtin Meys sagt, dass ihre Abteilung im September 2004 einen Anruf vom Hausmeister bekam, der angab, die Kinder lange nicht gesehen zu haben. "Er sagte nicht, dass die Kinder vernachlässigt werden." Auch bei der Einschulungsuntersuchung des Siebenjährigen habe es keine Hinweise auf Verwahrlosung gegeben. "Die Mutter hat auf Nachfrage glaubhaft versichert, dass es den Kindern gut geht." Es habe keinen Grund gegeben für einen Besuch. Auch der Jugendhilfeausschuss (JHA) hat sich mit dem Fall beschäftigt. "Das Jugendamt hat völlig adäquat gehandelt", sagte JHA-Vorsitzende Christiane Mross (SPD). (gäd.)

Berliner Zeitung

 

 

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