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dfm Wipperfürth/Köln. Gestern ging der Prozess wegen Totschlags und Kindesmisshandlung, für die sich Oswald N. (alle Namen geändert) vor dem Landgericht verantworten muss, in die dritte Runde.
Der 22-Jährige soll am 9.Dezember den 15 Monate alten Sohn Timo seiner damaligen Lebengefährtin Rebecca L. so stark misshandelt haben, das der Junge später an seinen Verletzungen starb. Timos Schwester Verena soll N. zuvor ebenfalls mehrfach misshandelt haben.
Im Mittelpunkt der Zeugenanhörungen standen die Mitarbeiter des Jugendamtes Wipperfürth und die Ärzte, die die Kinder behandelt hatten. Das Jugendamt war mit dem Pärchen bereits einen Monat vor Timos Tod in Kontakt getreten, nachdem die Remscheider Kinderklinik das Amt am 8. November über einen Verdacht auf Kindesmisshandlung informiert hatte: Es ging um die zweieinhalbjährige Verena.
Bei einem Treffen am 10. November, so die Jugendamtsmitarbeiterin, habe sie Rebecca L. über den dringenden Verdacht informiert, Oswald N. könne Verena misshandelt haben, und sie über ihre Pflicht aufgeklärt, die Kinder zu schützen.
Auf Anraten des Jugendamtes erstattete Rebecca L. noch am gleichen Tag Anzeige gegen Oswald N. und versicherte, die Kleinen zur Oma zu bringen.
Am 13. November, so die Mitarbeiterin, habe das Jugendamt Oswald N. über den bestehenden Verdacht gegen ihn in Kenntnis gesetzt. Darauf habe N. aufgebracht jeglichen Vorwurf zurückgewiesen und mit einem Anwalt gedroht.
Am 14. November habe Rebecca L. versichert, sie habe keinen Kontakt mehr zu N. Bei einem Hausbesuch am folgenden Tag fand die Mitarbeiterin die Wohnung in einem ordentlichen Zustand vor. Der kleine Timo sei guter Dinge gewesen, das Mädchen habe geschlafen.
Eine Woche später machte das Jugendamt erneut einen Hausbesuch, bei dem Rebecca L. miteilte, ihre Kinder könnten von der Oma und der Schwester betreut werden. Am 6. Dezember sei ein Mitarbeiter von der Klinik informiert worden, dass Verena vermutlich erneut misshandelt worden sei.
Das Kind wurde der Mutter wieder mitgegeben. Nach einem vergeblichen Hausbesuch Tags darauf nahmen die Mitarbeiter über Handy Kontakt zu Rebecca L. auf und bestellten sie mit den Kindern ins Jugendamt.
Das Mädchen habe blaue Flecken gehabt, die sich das Kind laut Aussage der Mutter beim nächtlichen Möbelrücken geholt habe. Verena wurde umgehend in die Klinik gebracht.
Warum haben Sie bei Timo keine Schutzmaßnahmen ergriffen? Zu dieser Frage des Richters wollte die Mitarbeiterin des Jugendamtes keine Angaben machen. Wegen des Falles hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Mitarbeiter der Behörde eröffnet.
Mit geradem Rücken, fast unbewegt, hörte sich Oswald N. die erschütternden Angaben der Ärzte an. Das Mädchen war mit blauen Flecken nur so übersät, berichtete ein Arzt aus der Remscheider Klinik.
Die Art der Verletzungen legten dabei die Vermutung nahe, das Kind sei gezielt gequält worden. Schwer traumatisiert habe die Kleine nach ihrer Einweisung reagiert: keinerlei Mimik, kein Lächeln, kein Spiel, nur Angst.
Auch bei der Schilderung der Ärzte, die Timo behandelten, zeigte N. keinerlei Regung. Eine Gehirnblutung habe er vermutet, als das Baby gegen Mitternacht ins Krankenhaus eingeliefert wurde, so der Wipperfürther Mediziner.
Das Kind musste reanimiert werden, bevor es nach Remscheid gebracht wurde. Eine geringe Restatmung stellte der Remscheider Mediziner bei dem bewusstlosen Baby mit stark erweiterten Pupillen fest.
Vermutlich ein Schütteltrauma habe die Gehirnblutung ausgelöst. Nach Reanimierungen wurde Timo, der in akuter Lebensgefahr schwebte, sofort nach Köln gebracht, wo er am 14. Dezember starb. Der Prozess wird morgen fortgesetzt. Kölnische Rundschau, 29.6.2001
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