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Der Schutz von Kindern drogenabhängiger Eltern sei in München nicht ausreichend gewährleistet. Diesen Vorwurf erheben verschiedene Experten. Sie kritisieren Teile des Münchner Betreuungskonzepts. Mindestens 1800 Kinder und deren drogenabhängige Eltern sind Schätzungen zufolge betroffen.
Das einst bundesweit gelobte Münchner Betreuungskonzept wird seit zwei Jahren angewendet. Es wurde von einem Expertenteam um den städtischen Drogenhilfe-Koordinator Michael Lubinski in fünf Jahren entwickelt. Es soll drogensüchtigen Eltern und ihren Kindern helfen. Kern des Konzepts ist die Kooperationsvereinbarung.
Drogensüchtige Mütter, in wenigen Fällen auch Väter, sichern darin eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten, Sozialarbeitern und dem Jugendamt zu. Die Fortschritte bei Entzug oder der Rückkehr zum geordneten Leben werden engmaschig kontrolliert. Im Gegenzug wird ihnen umfangreich geholfen. Vor allem: Die Kinder dürfen in der Familie bleiben. Ein runder Tisch mit Kinder- und Drogenärzten, Jugendamt und Sozialarbeitern überwacht den Therapieverlauf und die Lage der Kinder.
"Die Vereinbarung half, vielen Süchtigen Vertrauen einzuflößen und sie aus der Illegalität zu holen", sagt Lubinski. Nur, wenn Süchtige zu Hilfseinrichtungen kämen, könne man ihnen und ihren Kindern helfen, so Lubinski.
Kritik entzündet sich nun am Text der Vereinbarung. Nach Ansicht von Roswita Soltau vom Beratungszentrum "extra" für drogenabhängige Mütter ist der Kinderschutz völlig unverbindlich geregelt. "Das Wohl des Kindes muss unmissverständlich an erster Stelle stehen - und das muss auch so drin stehen", fordert sie.
Diese Sicht teilen Kinderärzte und Jugendpsychologen. In einer Stellungnahme für die Stadt schreibt der Jugendmediziner Professor Hubertus von Voss: "Die Kooperationsvereinbarungen beachten nicht die uneingeschränkte Priorität des kontinuierlichen Erhalts und der Sicherung des Kindeswohls."
Kinderärztin Ursel Lindbauer-Eisenach hält in einer Expertise fest, dass trotz der Vereinbarung nur sehr wenige Kinder von Drogensüchtigen regelmäßig von Kinderärzten untersucht würden. Dies aber müsse im Vertrag zur Pflicht gemacht werden.
Stadträtin Ingrid Ancker (SPD), die mit Kollegin Eva Caim (CSU) die Debatte im Stadtrat angestoßen hat, fordert eine schnelle politische Entscheidung. "Wir kommen zur Zeit weder vor noch zurück." Nach einer Anhörung hat der Gesundheitsausschuss jetzt eine Kommission eingesetzt, die die strittigen Absätze in der Vereinbarung präziser formulieren soll. Sonst, unken Insider, könnte der Streit das ganze Betreuungskonzept gefährden.
ROBERT WALSER
Münchner Merkur - 1.11.2005
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