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Von Brigitte Schmiemann Entsetzt über den Mord an dem sieben Jahre alten Christian Schaldach (7) aus Zehlendorf hat sich eine Elterninitiative gebildet. Sie will erreichen, daß polizeibekannte jugendliche Gewalttäter in geschlossenen Heimen untergebracht werden. "Wir wollen unsere Kinder schützen. Es wird immer nur aus Sicht der Täter argumentiert. Man muß endlich auch an die Opfer denken", fordert Eva Herdemerten. Sie ist Richterin, hat zwei Kinder und wohnt in der Rheinbabenallee in Schmargendorf nur wenige Kilometer von dem Ort entfernt, wo der Siebenjährige mutmaßlich von einem 16jährigen Nachbarn ermordet worden war. Der soll die Tat gestanden haben und sitzt in Untersuchungshaft.
Da viele Familien nicht mehr in der Lage seien, Kinder zu erziehen, sei es dringend nötig, daß die staatlichen Stellen schneller eingriffen, fordern die Eltern. Letztendlich wäre die Unterbringung auch für die Jugendlichen von Vorteil: "Sie sollen ja nicht nur weggesperrt, sondern betreut werden. Sie sollen eine Erziehung genießen, die es ihnen ermöglicht, wieder in die Gesellschaft integriert zu werden."
Zusammen mit Christiane Schubert aus Charlottenburg und Christa Hoffmann aus Dahlem sammelt sie Unterschriften, die an die zuständige Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) gehen sollen. Das sei nicht einfach. Noch immer hätten Menschen, die in der Umgebung des Tatorts lebten Angst vor der gewalttätigen Clique, zu der der mutmaßliche Mörder des kleinen Jungen gehört habe.
Senatorin Schubert hingegen befürwortet Heime, die nicht mit Gittern, sondern "durch intensivpädagogische Betreuung ein Weglaufen verhindern". Heime mit verriegelten Fenstern und Türen böten keine Lösung. Sie isolierten gesellschaftlich, ohne negativen Entwicklungen entgegenzuwirken.
Auch Heinz Buschkowsky (SPD), Neuköllns Bürgermeister, denkt, daß eine Sicherheitsverwahrung in Form von Kindergefängnissen für verrohte Jugendliche - auch wenn sie schwerstgestört und entsozialisiert seien - zu weit gehe. Er ist der Meinung, daß das Instrumentarium des Kinder- und Jugendhilfegesetzes ausreicht. "Es wird nur nicht ausreichend angewendet", kritisiert er. Die Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Familiengericht funktioniere nicht. Die Jugendämter seien zu zaghaft. "Der mutmaßliche Mörder war als tickende Zeitbombe bekannt. Es war klar, daß er ein gestörtes Wertesystem hat. Daß das Jugendamt ihn bei den Großeltern gelassen hat, weil er nicht wegwollte, ist überkommene Sozialromantik."
Im Hamburger Stadtteil Alsterdorf gibt es seit Ende 2002 die "Geschlossene Unterbringung Feuerbergstraße". Fast 1,9 Millionen Euro beträgt das Budget in diesem Jahr. Sieben der 18 Plätze sind zur Zeit belegt. Die Jungen werden von Pädagogen und Psychologen betreut. Die Einrichtung - seit Beginn an heftig umstritten - soll eine Lücke im Jugendhilfesystem füllen; wenn ambulante Hilfsangebote nicht ausreichen, Strafanstalt oder Psychiatrie aber ebenfalls als nicht geeignet erscheinen. In Berlin gibt es keine geschlossenen Heime dieser Art. Bei den strafunmündigen unter 14jährigen Kindern soll das "Berliner Konzept der verbindlichen Betreuung" eine Alternative darstellen, so Kenneth Frisse, Sprecher in der Senatsjugendverwaltung. Das Konzept basiere auf einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung. bsm
Die Welt, 11. Oktober 2005
s.a. Sachgebiete “geschlossene Unterbringung”
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