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Frankfurts Pflegeeltern sind wütend. Im Auftrag der Stadt betreuen sie derzeit rund 60 Kinder, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen oder familiären Notsituationen geholt werden mussten. Doch die Kommune erkenne ihre Leistungen nicht an, meinen die Pflegeeltern. Das Pflegegeld ist auf dem Stand von vor zehn Jahren. Nur eine Fachkraft betreut die Familien. Und das trotz steigender Zahlen der Pflegeverhältnisse.
In der Stadtverwaltung ist nur noch eine Mitarbeiterin mit der Betreuung von Pflegefamilien beauftragt. Und das trotz steigender Fallzahlen, wie Carmen Marquis, Vorsitzende des Vereins der Pflege- und Adoptiveltern Frankfurt und Eisenhüttenstadt, ergänzt. Da sei das notwendige Maß an Betreuung und Hilfe kaum noch zu leisten.
Doch nicht allein deshalb fühlen sich Frankfurts Pflegeeltern zunehmend mit ihren Problemen allein gelassen. Die Bereitschaft, Pflegeeltern zu sein, nimmt ab. Nach einer Erhebung der Landesjugendämter würden immer mehr unter fünfjährige Kinder länger als 18 bis 24 Monate in Heimen leben. Das kostet enorm viel und ist für so kleine Kinder bei aller Fürsorge des Heimpersonals nicht so wohltuend wie die Betreuung in einer Familie.
Die Vereinsvorsitzende schilderte eindrucksvoll, was Pflegeeltern leisten. Sie sprach von Kindern, die schon vor ihrer Geburt durch den Alkohol- und Medikamentenmissbrauch ihrer Mütter schwer geschädigt wurden. Oder von solchen, die ständig zwischen Pflege- und richtiger Familie hin- und hergerissen werden und kaum noch fähig sind, soziale Bindungen aufzubauen. "Manche schreien nur noch, wenn sie zu uns kommen. Wir arbeiten oft über unsere körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen hinaus", so Carmen Marquis.
Doch das, so meinen die Eltern, werde nicht anerkannt. Seit mehr als zehn Jahren ist in Frankfurt trotz mehrfacher Intervention von Jugendamt und Jugendhilfeausschuss die Pflegerichtlinie nicht überarbeitet und das Pflegegeld nicht erhöht worden. Frankfurt liegt bei der Pflegegeldzahlung an letzter Stelle. Im Vergleich zum Durchschnitt dieser Kreise werden je nach Altersgruppe 50 bis 65 Euro weniger pro Kind und Monat gezahlt.
Schwierigkeiten hätten sich zudem für gering verdienende Pflegeeltern seit Hartz IV ergeben. Vorher erhielten sie auch Wohngeld. "Andere Landkreise und Städte handhaben das weiter so. Nicht Frankfurt", so die Vereinsvorsitzende. Und auf Widersprüche zu den Bescheiden werde nicht reagiert.
Märkische Oderzeitung, Freitag, 23. September 2005
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