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Troisdorf/Bonn - Als skandalös wurde im Rahmen der Verhandlung bei der Großen Bonner Jugendstrafkammer das Verhalten von Mitarbeitern des Troisdorfer Jugendamts vom Gericht wie von der Staatsanwaltschaft bezeichnet: Sie hatten die Warnungen einer Mutter missachtet, und deren Tochter bei einem Mann untergebracht, der sich jetzt wegen sexuellen Missbrauchs der damals knapp 14-Jährigen verantworten musste.
Das Verhalten der Jugendamtsmitarbeiter aber stand nicht zur rechtlichen Würdigung an, der Prozess konzentrierte sich auf den Mann, den früheren Betreiber eines Reiterhofs in Troisdorf. Er wurde nach einem späten, aber umfassenden Geständnis wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung und einem Berufsverbot von fünf Jahren verurteilt. Während dieser Zeit darf der diplomierte Pferdewirtschaftsmeister auf keinen Fall Jugendliche unter 18 Jahren unterrichten.
Der heute 47 Jahre alte Reitlehrer hatte den Anhimmelungen des minderjährigen Mädchens nicht widerstanden und nach der Trennung von seiner Frau ein Verhältnis mit ihm angefangen. Der Mutter des Teenagers war die Beziehung nicht verborgen geblieben. "Die Gerüchteküche brodelte regelrecht über", sagte sie dazu jetzt vor Gericht. Sie habe daraufhin ihrer Tochter nachgestellt und mit Entsetzen festgestellt, dass an dem Gerede "sehr viel Wahres dran" sei.
Sie habe sich danach an das Jugendamt gewandt und um eine Pflegestelle unter behördlicher Aufsicht gebeten. Das Jugendamt aber habe ihr per Gericht die elterliche Gewalt entzogen und diese ihrem in Scheidung und in der Schweiz lebenden Mann übertragen. Der habe sich nach einem Telefonat mit der Tochter damit einverstanden erklärt, dass sie mit ihrem Bruder zu dem Reitlehrer und damit in die Höhle des Löwen ziehe. Dort teilte die gerade erst 14-Jährige mit dem 30 Jahre älteren Mann das Schlafzimmer.
Das aber wurde erst Monate später zur Gewissheit, als die Mutter sich das Sorgerecht zurück erobert und einen psychiatrischen Gutachter um Erziehungshilfe gebeten hatte. Er konnte das Mädchen während einer Therapiestunde zu einer rückhaltlosen Aufarbeitung seiner Vergangenheit bewegen. Dabei kamen auch Dinge zur Sprache, die das Mädchen vorher verdrängt hatte und die die strafrechtliche Aufarbeitung der Tat erst jetzt möglich machten. Kölnische Rundschau - 22.3.2001
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Kommentar: Wenn es sich so zugetragen hat, wie im Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, dann ist der Troisdorfer Vorfall ein herausragender Gipfel im ohnehin massiven Hochgebirge der Jugendamtsskandale. Aber vielleicht hatte der Vater versprochen, seine Tochter in die Schweiz zu holen und das Jugendamt sich darauf verlassen? Aber auch dann bleibt unerfindlich, wieso das Jugendamt darauf hingewirkt hat, daß der offensichtlich problembewußten und kooperativen Mutter das Sorgerecht entzogen wurde. Wieder einmal hat ein junges Mädchen schweren Schaden erlitten, weil trotz längst "brodelnder Gerüchteküche" und trotz der Warnungen seiner Mutter die notwendigen Interventionen ausblieben. Kurt Eberhard (März 01)
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