FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2005

 

Vater sperrte seinen Sohn jahrelang ein 

 

Junge durfte nicht zur Schule gehen. Erst als der gewalttätige Mann im Sterben lag, informierte die Mutter die Behörden

Hamburg - In Hamburg hat ein neuer Fall von Gefangenenhaltung eines Kindes für Schlagzeilen gesorgt. Ein gewalttätiger Vater hat seinen Sohn jahrelang im Haus eingesperrt und ihm sogar den Schulbesuch verboten, bestätigte ein Behördensprecher einen Bericht der „Hamburger Morgenpost“. Erst als der Vater des Jungen vor drei Jahren im Sterben lag, wagte die Mutter des damals Zwölfjährigen den Gang zu den Behörden.

Der Junge wurde nach Bekanntwerden des Falls umgehend eingeschult, teilte Schulbehörden-Sprecher Alexander Luckow mit. Er wies jeden Vorwurf an die Adresse seiner Behörde zurück, da das Kind vom Vater nicht beim Meldeamt registriert worden war.

Die Hamburger Sozialbehörde wies jede Verantwortung in dem Fall zurück. Das zuständige Jugendamt, das bei der Geburt des Kindes eine Amtspflegschaft übernommen hatte, da die Eltern nicht verheiratet waren, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Unbestätigt blieben auch Berichte, nach denen der gewalttätige Vater seinen Sohn sexuell mißbraucht haben soll. Der Junge lebt gegenwärtig in einer Jugendhilfeeinrichtung in Niedersachsen.

Die Welt, 18.4.2005

 

KINDESMISSHANDLUNG

Fall »Michael« entsetzt Politiker


von STEPHANIE LAMPRECHT, PIN


Alle Fraktionen sehen Handlungs- und Gesprächsbedarf

Der Fall Michael - die Politik ist entsetzt, das zuständige Bezirksamt Nord redet sich heraus. Zwölf Jahre lang wurde der Junge von seinem Vater gefangen gehalten und niemand hat es gemerkt. Obwohl das Jugendamt nach Michaels Geburt kurzzeitig die Amtspflegschaft hatte.

Von Schuld keine Spur: "Zu den gesetzlichen Aufgaben der Amts- bzw. Beistandschaft zählt nicht die Überwachung der Schulpflicht, sondern die Feststellung der Vaterschaft und die Unterhaltsregelung. Das ist in diesem Fall geschehen", so der Sprecher des Bezirksamtes, Peter Hansen. Zudem seien "regelhaft Anfragen zu der bestehenden Haushaltsgemeinschaft" gestellt worden. Soweit das Amt.

Die politischen Parteien zeigen sich entsetzt. Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Britta Ernst spricht davon, dass ihr "angst und bange" werde. "Ich habe den Eindruck, dass es sehr viele vernachlässigte Kinder in Hamburg gibt", so Ernst. Sie fordert, dass der "Fall Michael" im "Sonderausschuss Jessica" behandelt wird. Die CDU schließt sich dieser Forderung an und sagt: "Die vom Senat geplanten Maßnahmen wie Schulzwang oder Veränderung der Aktenführung sind richtig und dringend notwendig", so der schulpolitische Sprecher, Robert Heinemann.

Die GAL-Fraktion fordert ein "Netzwerk Kindeswohl", mit dem ein Kind von der Geburt bis zur Einschulung lückenlos begleitet werde, sagt Fraktionschefin Christa Goetsch. Die Sozialbehörde weist jede Verantwortung in dem Fall zurück.

Robert Heinemann (CDU): "Schulzwang dringend nötig"

Hamburger Morgenpost, 19.04.2005

 

 

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