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Vor dem Amtsgericht muss sich ein Vater wegen Misshandlung seiner beiden Töchter verantworten. In elf Fällen soll er die beiden seit dem Jahr 1998 mit Fäusten geprügelt und mit Füßen getreten haben. Der Onkel der Mädchen wirft dem Jugendamt Untätigkeit vor.
Die heute zwölfjährige Tochter des Angeklagten erzählte vor Gericht von vielen Ohrfeigen. An Fußtritte wollte sie sich nicht mehr erinnern. Einer unter vielen Vorfällen: Am 23. März 2000, nach einem Schlag ins Gesicht, sei sie auf die Heizung geknallt. Wegen eines Piepsens im Ohr suchte sie danach den Arzt auf.
Ihr Vater sei bei den Tätlichkeiten durchweg alkoholisiert gewesen, sagte die 17-jährige Tochter im Zeugenstand. Einmal habe er sie am Arm gepackt und an die Wand geschleudert. Der Vater habe damit das abendliche Duschen der Töchter unterbinden wollen.
Auch habe er mehrmals die Fäuste ins Gesicht der kleinen Schwester geschlagen, als die Mädchen gegen den Willen der Mutter Kleidungsstücke im Container entsorgten. Als er sie verdächtigte, die Gebrauchsanleitung des Telefons zu verstecken, habe er sie gegen die Türklinke geschleudert.
Der Lackierer räumte Ohrfeigen ein, Faustschläge und Fußtritte stritt er ab. Ein Alkoholproblem leugnete er. Seine Töchter hätten ihn beleidigt und seine Frau geschlagen, nannte der 55-Jährige als Grund der Gewalttaten. Oder sie seien zu spät nach Hause gekommen, hätten zur Unzeit geduscht, die Jüngere habe geraucht.
Bei allem stellt sich die Frage nach der Rolle des Jugendamtes. Am 30. November 1999 alarmierte die ältere Tochter nach Übergriffen ihres Vaters die Polizei. Die zuständige Sachbearbeiterin der Kripo verständigte kurz danach das Jugendamt.
Der Polizei seien aus der Vergangenheit bereits zwei andere Vorfälle bekannt gewesen, die dem Jugendamt mitgeteilt worden seien, so die Polizistin. Das Jugendamt jedoch habe behauptet, die Familie zuvor nicht gekannt zu haben.
Als nach der ersten richterlichen Vernehmung durch den Untersuchungsrichter im April 2000 die Übergriffe des Vaters weitergingen, habe sie beim Jugendamt angerufen und um Hilfe gebeten, erzählte die ältere Tochter.
Mit “keine Zeit'' habe man sie aber im Jugendamt abgewiegelt. Das Amt unternehme nichts, sagte der Onkel, bei dem die Mädchen seit langem Wochenenden und Ferien verbringen. Er hätte die Mädchen gerne bei sich behalten, um sie vor seinem gewalttätigen Schwager zu schützen. Auch die beiden Kinder hätten nicht mehr nach Hause gewollt.
Nachdem seine Nichten letzten Sommer zwei Monate bei ihm in Stuttgart gewohnt hatten, habe das Jugendamt angeordnet, dass die Kinder wieder zurück nach Hause müssten.
“Ich versuche zu Hause meinem Vater aus dem Weg zu gehen'', sagte die ältere Tochter zur momentan prekären Situation. Das Jugendamt stellte vergangenen September einen Antrag auf Entzug des elterlichen Sorgerechts. Die Akte ruht derzeit vor dem Familiengericht. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Sindelfinger Zeitung - 15.3.2001
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