FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2005

 

Sexualmord in München

Sozialreferent widerspricht Anschuldigungen


Im Fall des ermordeten neun Jahre alten Peter haben die Münchner Behörden eigene Versäumnisse zurückgewiesen. Er könne nicht erkennen, was man hätte anders machen können, sagte Sozialreferent Friedrich Graffe. Zuvor war gegen den mutmaßlichen Täter Haftbefehl erlassen worden. In der Politik hat das Verbrechen eine erneute Debatte über die Sicherheitsverwahrung ausgelöst.

"Es gab unserer Ansicht nach keinen Anlass zum Eingreifen", sagte Graffe. Die Bewährungshelferin des 28-Jährigen hatte das Jugendamt Ende Januar vom Kontakt des Mannes zu dem Buben unterrichtet. Daraufhin habe man mit den Lehrern des Jungen gesprochen, so der Sozialreferent. Diesen sei aber nichts aufgefallen. Zudem habe die Mutter Hilfe abgelehnt. Graffe zufolge war dem Sozialreferat nicht bekannt, dass der Mann Therapie-Auflagen hatte, die er nicht einhielt. "Weil der spätere Täter offensichtlich das Vertrauen der Eltern genoss, sahen wir keinen Anlass, die Kinder aus der Familie zu nehmen", sagte Graffe.

Der Mord hatte sich am Donnerstag im Münchner Stadtteil Neuperlach
ereignet. Der Wiederholungstäter fing den Drittklässler auf dessen Heimweg von der Schule ab, lockte ihn in sein Zimmer in einem Männerwohnheim und missbrauchte ihn dort. Als der Junge drohte, alles seiner Mutter zu sagen, erstickte ihn der 28-Jährige mit einer Plastiktüte und warf die Leiche - in einem Plastiksack verpackt - in einen Müllcontainer hinter dem Haus. Die von den Eltern des Jungen am Donnerstagabend eingeschaltete Polizei stieß schnell auf den Mörder, der zum Freundeskreis der Familie gehörte. Er gestand das Verbrechen.

Medienberichten zufolge lernten sich der Vater des Kindes und der Täter im Gefängnis kennen. Der 28-Jährige hatte bereits im Oktober 1994 in Regensburg einen Jungen (11) missbraucht und ermordet. Nach seiner Entlassung nach neuneinhalb Jahren Haft im April 2004 sei der Mann regelmäßig bei der Familie des Jungen zu Besuch gewesen. Damit verstieß er gegen die Auflage, keinen Kontakt mehr zu Kindern aufzunehmen. Zudem schwänzte der 28-Jährige regelmäßig die Therapie, die ebenfalls Auflage seiner Haftentlassung vor zehn Monaten gewesen war. Nach Polizeiermittlungen waren bei der Familie auch andere vorbestrafte Sexualtäter ein und ausgegangen.

Das Verbrechen hat unterdessen die politische Debatte um die Sicherheitsverwahrung von Straftätern neu entfacht. Bayerns Justizministerin Beate Merk sagte dem "Focus", man müsse die Möglichkeit einer "Zwangstherapie" prüfen, damit Gewaltverbrecher nach ihrer Entlassung Therapie-Auflagen nicht ungestraft ignorieren könnten. Familienministerin Christa Stewens plädierte für die Maxime "Null Toleranz". Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) wies Forderungen aus Bayern nach schärferen Gesetzen zurück. Es gebe im Moment "keinen Bedarf, neue gesetzliche Regelungen zu schaffen".

Bayrischer Rundfunk, 19.2.2005

------------

 

Ermordung des Jungen war lange geplant

Tat in München entfacht die Diskussion über
den Umgang mit Sexualverbrechern neu


 
Von Julia Lenders

MÜNCHEN: Missbraucht, erstickt und in den Müllcontainer geworfen: Der Mörder des neunjährigen Peter aus München hat sein Verbrechen von langer Hand geplant. Fast unmittelbar, nachdem der Sexualverbrecher wegen Mordes eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt hatte, war er wieder bereit, für seine pädophile Lust zu töten. Der 28-Jährige gestand, seit Monaten an den Missbrauch des Jungen gedacht zu haben. "Er traf bereits entsprechende Vorbereitungen in den vergangenen Wochen", sagte der Chef der Mordkommission, Harald Pickert. Handschellen und Mülltüten lagen bereit. Die Leiche von Peter war am Freitag entdeckt worden. Der Täter kannte den Jungen, mit Peters Vater war er zusammen im Gefängnis gewesen. Am Donnerstag hatte er den Kleinen auf dem Schulweg abgepasst und in seine Wohnung gelockt.

Den Behörden war das Gefahrenpotenzial des psychisch Kranken offenbar bewusst. "Man hat gesehen, dass die Gefahr bestand, dass er sich wieder an Kinder heranmacht", sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Peter Boie bei einer Pressekonferenz. Er berichtete von fünf abgebrochenen Therapien des Mannes, überforderten Psychologen und unzureichenden Rechtsmitteln, um das krankhafte Verlangen des Mannes unter Kontrolle zu halten. Vor allem die Frage, ob das Münchner Jugendamt das Gewaltverbrechen verhindern hätte können, wird in der Öffentlichkeit heftig diskutiert.

Medienberichte hatten ans Licht gebracht, dass die Bewährungshelferin des 28-Jährigen das Jugendamt bereits im Januar über mehrere Verstöße gegen die Bewährungsauflagen informierte. Der psychisch kranke Mann ging nicht zu Therapie-Sitzungen und hielt engen Kontakt zu Kindern, vor allem zu Peter. Das Jugendamt wies am Wochenende jedoch jegliche Verantwortung zurück. "Es gab unserer Ansicht nach keinen Anlass zum Eingreifen", sagte Münchens Sozialreferent Friedrich Graffe.

Die Eltern des Opfers waren bereits im vergangenen November über die Vorgeschichte ihres Hausfreundes informiert worden, der häufig zu Besuch kam. "Der Vater des Kindes kennt ihn aus der Strafhaft", sagte Pickert. Mit dem Bekannten, der jetzt zum Mörder seines Sohnes wurde, hatte der Familienvater eine Zeit lang die Zelle geteilt. Die Kaltblütigkeit und Entschlossenheit, mit der der 28-Jährige am Donnerstag handelte, war für Betreuer und Behörden offenbar überraschend - allen Warnungen der vergangenen Monate zum Trotz.

Noch während der Sexualmörder das sich zur Wehr setzende Kind stundenlang missbrauchte, versuchten dessen Eltern einige Male, ihren Sohn per Handy zu erreichen. Wie die Obduktion ergab, erstickte der Mann sein Opfer mit einer über den Kopf gestülpten Plastiktüte. Er versteckte die Kinderleiche in seinem Schrank und besuchte die Eltern, um sich an der Suche nach dem Vermissten zu beteiligen.

Gerade 16 Jahre alt hatte sich der Mann in einem Schwimmbad an einem Jungen vergangen. 1994 dann mordete er zum ersten Mal. In Regensburg stach er 70 Mal auf einen Elfjährigen ein, nachdem er ihn missbraucht hatte. Nach neuneinhalb Jahren Jugendhaft war er erst seit zehn Monaten wieder auf freiem Fuß.

Der neuerliche Mord an einem Kind entfacht die Diskussion über den Umgang mit Sexualverbrechern neu. Bayerns Innenminister Günther Beckstein forderte eine Zwangstherapie für junge Straftäter. Seine Kollegin vom Justizressort, Beate Merk (CSU), bekräftigte die bayerische Forderung nach einer nachträglichen Sicherungsverwahrung für Heranwachsende, die nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt wurden. Peters Mörder war für seinen ersten Mord jedoch nach Jugendstrafrecht verurteilt worden, das eine Sicherungsverwahrung bislang ausschließt. Merk sagte, nun müsse geprüft werden, ob hier eine Rechtslücke besteht.

Wormser Nachrichten, 21.2.2005

------------------

 

Bayern will nach Sexualmord an Jungen
"Zwangstherapie" prüfen

München - Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) will nach dem Sexualmord an dem neunjährigen Peter aus München durch einen verurteilten Kindermörder die Möglichkeit einer "Zwangstherapie" für vorbestrafte Gewaltverbrecher prüfen. Es könne nicht angehen, "daß ein vorbestrafter Gewaltverbrecher bei Haftentlassung eine Therapie-Auflage hartnäckig ignoriert", der Staat aber keine Möglichkeit zur Sanktion habe, sagte Merk dem "Focus".

Unterdessen wurde gegen den tatverdächtigen 28jährigen Martin P. Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Er hatte die Tat bereits gestanden. Der Junge war am Donnerstag von dem Mann zunächst sexuell mißbraucht worden. Anschließend strangulierte P. sein Opfer laut Obduktionsbericht zwischen 18 und 24 Uhr mit einer Plastiktüte, woraufhin dieser erstickte.

Martin P. hatte als 18jähriger im Oktober 1994 in Regensburg den elfjährigen Tobias, den er aus der Pfarrgemeinde kannte, mit 70 Messerstichen getötet. Verurteilt wurde er zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe auch wegen sexuellen Missbrauchs eines neunjährigen Jungen in einer Umkleidekabine eines Regensburger Schwimmbads. Im April 2004 war Prinz aus der Haft entlassen worden.

Zu seinen Auflagen für die Freilassung gehörte laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR), daß er sich einer Therapie unterzieht und zudem keinen Kontakt zu Kindern hat. Wie der Sender berichtete, ignorierte P. beide Auflagen.

Das Jugendamt der Stadt dementierte Berichte, wonach die Tat womöglich durch ein Versagen der Behörde begünstigt wurde. Der BR hatte gemeldet, daß seine Bewährungshelferin P. zusammen mit dem jetzt getöteten Jungen gesehen und im Januar das Jugendamt aufgefordert habe, dringend etwas zu unternehmen. Das Amt habe darauf nicht reagiert. Wie das Jugendamt klarstellte, seien die Eltern des Jungen auf die Gefahr aufmerksam gemacht worden. Sie hätten aber nicht auf die Warnung reagieren wollen.

Martin P. verkehrte ebenso wie andere entlassene Strafgefangene regelmäßig in der Wohnung der Eltern des Neunjährigen. Dessen Vater ist ebenfalls ein ehemaliger Häftling. Beide Männer saßen früher in einer Zelle im Gefängnis.

Der Münchner Schüler war am Donnerstag gegen 13 Uhr im Stadtteil Neuperlach aus dem Bus gestiegen, aber nicht zu Hause angekommen. Martin P., der in einem Wohnheim untergebracht war, geriet in Verdacht. Die Polizei erfuhr von Zeugen, dass er dort in Begleitung eines Jungen erschienen sei, den er als seinen Sohn ausgegeben habe. Bei der Vernehmung gestand er, Peter umgebracht zu haben, und führte die Polizei zu der Mülltonne, in der er die in einem Müllsack gewickelte Leiche versteckt hatte.

Berliner Morgenpost, 22.2.2005

 

 

Bilanz zu unserer Pressedokumentation

weitere Artikel

 

weitere Beiträge zum Thema Wächteramt der Jugendämter

 

[AGSP] [Aufgaben / Mitarbeiter] [Aktivitäten] [Veröffentlichungen] [Suchhilfen] [FORUM] [Magazin] [JG 2011 +] [JG 2010] [JG 2009] [JG 2008] [JG 2007] [JG 2006] [JG 2005] [JG 2004] [JG 2003] [JG 2002] [JG 2001] [JG 2000] [Sachgebiete] [Intern] [Buchbestellung] [Kontakte] [Impressum]

[Haftungsausschluss]

[Buchempfehlungen] [zu den Jahrgängen]

Google
  Web www.agsp.de   

 

 

 

 

 

simyo - Einfach mobil telefonieren!

 


 

Google
Web www.agsp.de

 

Anzeigen

 

 

 

 


www.ink-paradies.de  -  Einfach preiswert drucken