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Itzehoe/Wesselburen (Tanja Nissen) - Wegen schweren sexuellen Missbrauchs an seiner Stieftochter ist der 42-jährige Dithmarscher Sönke J. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Der Fall wurde aufgedeckt, als die 15-jährige Sandra im Spätsommer vergangenen Jahres zunächst vermisst und dann im September in Nordfriesland tot aufgefunden worden war.
Der Ex-Lebensgefährte von Sandras Mutter legte gestern vor Gericht sofort ein Geständnis ab. Demnach hat er das Mädchen im Frühjahr und Sommer 2002 mehrfach bis hin zum Geschlechtsverkehr missbraucht. Damals war Sandra noch keine 14 Jahre alt.
In dem Geständnis "beschönigte" J. jedoch seine eigene Rolle, sagte der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing in der Urteilsbegründung: "Wir gehen davon aus, dass die Initiative von ihm ausging." So habe er zum Teil versucht, das Mädchen "in den Dreck zu ziehen", indem er sich als "Opfer einer sexgierigen 13-jährigen Göre" darstellte. Mit tief gesenktem Kopf und unter Tränen hatte J. dem Gericht zuvor die Beziehung zu seiner Stieftochter geschildert. Dabei beteuerte er erneut, nichts mit dem Tod des Teenagers zu tun zu haben.
Es sei zunächst eine reine Vater-Tochter-Beziehung gewesen. "Ich habe mich viel um sie gekümmert." Doch habe er sich auch häufig mit seiner Stieftochter gestritten und sie geschlagen, wenn diese zu spät nach Hause kam. Eines Tages habe die Zwölfjährige ihm dann plötzlich gestanden, dass sie sich in ihn verliebt habe. Und dann, während eines Wochenendausflugs, sei seine Stieftochter wieder auf ihn zugekommen und habe gesagt: "Schatz, ich will mehr von dir. Ich will mit dir schlafen."
Verteidiger Helfried Roubiÿek bat darum, das "bedingungslose und mit Scham verbundene Geständnis seines Mandanten" beim Strafmaß zu berücksichtigen. Außerdem sei das Mädchen frühreif gewesen. Staatsanwältin Stephanie Poensgen sagte dagegen: "Ich bezweifle, dass es so war. Der Angeklagte lebte letztendlich nur seine sexuellen Bedürfnisse an ihr aus." Sie betonte in ihrem Plädoyer die Besonderheit des Prozesses und die große Belastung nicht zuletzt für die Angehörigen, denn "das Opfer ist nicht mehr unter uns".
Mit harten Worten kommentierte Richter Hülsing, dass die sexuellen Übergriffe auf Sandra erst so spät aufgedeckt worden seien: "Es ist höchst erstaunlich, was da in Wesselburen passiert. Dass Erwachsene und möglicherweise auch Behörden zumindest gerüchteweise von diesen Vorfällen gewusst haben. Und erst mit dem Verschwinden des Mädchens kam alles zu Tage."
Sandras Mutter verfolgte im Gerichtssaal von der letzten Reihe aus den Prozess. Sie habe damals nicht gewusst, dass ihr Lebensgefährte ihre Tochter missbraucht hat, sagte sie in einer Verhandlungspause. Sie sei jedoch überzeugt, dass der 42-Jährige nicht der Mörder ihres Kindes ist. Sie gibt ihm für die Tatzeit ein Alibi: "Da war er bei mir".
Rechtsmediziner konnten bislang nicht klären, wie und wann das Mädchen starb. Die Leiche war zu stark skelettiert. shz, 11.12.2005
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