Nachrichten / Jahrgang 2005

 

Pervin: Hat das Jugendamt versagt?
Nach dem grausamen Tod der 3-Jährigen
klagt eine Nachbarin an

Von Michael Kerst

 

Düsseldorf – Der grauenhafte Tod der kleinen Pervin (3) – die Polizei ermittelt weiter fieberhaft: Montag wurden mit Leichenspürhunden Müllhalden durchsucht, um ihre sterblichen Überreste zu finden.

Unterdessen bleiben die Fragen: Hätte Pervins Tod verhindert werden können? Und warum hat zwei Jahre lang niemand das Verschwinden des Kindes, das verhungert und zerstückelt auf dem Balkon lag, bemerkt?

Nicht nur Nachbarn und Bekannte müssen sich diesen unangenehmen Fragen stellen, sondern auch das Jugendamt. „Das Amt hatte Kontakt zu der Familie“, bestätigt Staatsanwalt Ralf Herrenbrück. Das Verschwinden des Mädchens blieb dennoch unentdeckt.

Doch Jugendamtsleiter Johannes Horn sieht keine Versäumnisse: „Bei uns gab es nur einmal einen Hinweis auf ein weinendes Kind in dem Haus. Wir haben akribisch versucht, dem nachzugehen, aber konnten keinen Kontakt zur Familie bekommen.“

Ist das die ganze Wahrheit? „Nein!“ sagt die Zeugin Maria Pauwels (22/Name geändert). „Ich habe im letzten Sommer zweimal beim Jugendamt angerufen und Alarm geschlagen: »Pervin ist seit Monaten verschwunden, und ihre kleine Schwester Cennet wird geschlagen und vernachlässigt!« Die Dame vom Amt sagte nur, sie könne nicht helfen.“

Dabei habe sie ausführlich geschildert, dass Cennet den ganzen Tag im Kiosk verbringen musste. „Und sie bekam nichts Richtiges zu essen, manchmal drei Tage alte Pizza.“

Das bestätigt auch ihre Freundin Claudia Huber (27): „Ich habe dem Mädchen manchmal ein Brötchen mitgebracht, weil es mir so Leid tat.“ Als sie vom Gespräch ihrer Freundin mit dem Jugendamt erfuhr, versuchte sie, die Polizei zu alarmieren: „Aber die hat mich wieder ans Jugendamt verwiesen. Die Behörden haben versagt!“

Polizeisprecher André Hartwich erklärt: „Das Jugendamt ist zuständig. Wir können nur eingreifen, wenn einem Kind akut Gefahr droht.“ Dabei sollen die Beamten laut Frau Huber öfter im Kiosk gewesen sein.

Merih K. soll nach EXPRESS-Informationen auf eigenen Wunsch in der Grafenberger Psychiatrie sein. An einen dortigen Arzt hatte er sich schon am Mittwoch gewandt, als die Tat aufgedeckt wurde. Mutter Mandy K. sitzt in Untersuchungshaft.

Und die kleine Cennet? Horn: „Wir haben sie im Kinderhilfezentrum untergebracht und suchen nach einer Pflegschaft.“

Kölner Express, 18.1.2005

 

 

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