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Freie Träger der Jugendhilfe wollen in Leipzig so genannte Erziehungsstellen schaffen. Zu diesem Zweck suchen sie Pflegeeltern, die verhaltensauffälligen und gegenwärtig in Heimen oder betreuten Wohngruppen lebenden Kindern und Jugendlichen ein intaktes Zuhause bieten. Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Christliches Jugenddorf Leipzig, Diakonisches Werk, Herbie und der Verein Fairbund für erzieherische Hilfen haben sich zu einem Verbund zusammengeschlossen, der die Erziehungsstellen als Alternative zur herkömmlichen Betreuung aufbaut und begleitet.
Die Erziehungsstellen, die es im Westen Deutschlands bereits seit Anfang der achtziger Jahre gibt, sollen eine neue Qualität der Fürsorge ermöglichen: Mindestens ein Elternteil muss eine pädagogische Ausbildung haben, da die Familien Kindern und Jugendlichen helfen sollen, traumatische Erlebnisse oder Enttäuschungen zu verarbeiten. "Dazu sind konstante Bezugspersonen nötig, die über eine Ausbildung als Erzieher, Sozialpädagoge, Psychologe oder Sozialarbeiter verfügen", so Elke Föst-Hanschmann vom Verein Herbie. Die Schützlinge behalten auch im neuen Zuhause den Kontakt zu ihren leiblichen Eltern sofern dies vertretbar ist.
"Bisher müssen wir viele Kinder und Jugendliche zu Familien in die alten Bundesländer schicken. Deshalb sind wir sehr interessiert, dieses Angebot auch in Leipzig auszubauen", sagte Miriam Keil vom Jugendamt. Derzeit leben rund 580 junge Leipziger in Heimen und betreuten Wohngruppen. 348 Kinder und Jugendliche sowie 64 junge Volljährige sind in herkömmlichen Pflegefamilien untergebracht.
Bislang haben sich rund zehn geeignete Familien gefunden, die sich für eine "Erziehungsstelle" interessieren. Sie werden an sechs Abenden für diese Aufgabe vorbereitet, die als "Vollzeit-Job" auch finanziell vergütet wird. Auch Rentenansprüche können erworben werden. "Das Wichtigste ist, dass wir bei Problemen nicht allein gelassen werden", meint der Erzieher Diego Grummt, der seit mehreren Jahren zwei Pflegesöhne betreut und dafür sogar seinen Job aufgegeben hat. M. Orbeck
Weitere Infos gibt es u. a. beim Verein Fairbund, Tel. (0341) 9 80 57 02, oder Herbie, Tel. (0341) 4 21 98 21. Leipziger Volkszeitung - 2.3.2001
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Kommentar: Wie uns Diego Grummt bestätigte, ist in Leipzig möglich, was in anderen Kommunen als rechtlich unmöglich zurückgewiesen wird: die Kinder sind "echte" Pflegekinder gem. § 33 KJHG mit deutlich höherem familienrechtlichen Schutz als bei den Heimkindern gem § 34 KJHG, und die Pflegeeltern werden gleichwohl wie Erzieher in Erziehungsstellen tarifrechtlich bezahlt mit entsprechenden Rentenansprüchen.
Das Leipziger Modell sollte bundesweit durchgesetzt werden!
Kurt Eberhard (März 01)
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