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Rendsburg/Kiel (haa) - Er starb qualvoll an Hunger und Durst - und seine Eltern sahen offenbar tatenlos zu: Der Tod eines knapp ein Jahr alten Säuglings aus einer 3oo-Seelen-Gemeinde bei Hanerau-Hademarschen (Kreis Rendsburg-Eckernförde beschäftigt Kripo und Staatsanwaltschaft. Das Baby war nach Informationen unserer Zeitung am 21. Februar in der Wohnung der jungen Eltern leblos aufgefunden worden - restlos abgemagert und verwahrlost. Eine Obduktion in der Kieler Rechtsmedizin brachte die Gewissheit: Der elf Monate alte Junge war an chronischer Unterernäherung gestorben, die vermutlich über Monate angedauert hatte. Oberstaatsanwalt Uwe Wick wollte gestern keine näheren Angaben über die Hintergründe des Falles machen. Er bestätigte allerdings, dass das Rendsburger Amtsgericht vor wenigen Tagen Haftbefehl gegen den 24-jährigen Vater und die 26-jährige Mutter erlassen habe. "Vermutlich waren die Eltern mit ihrer Situation restlos überfordert", sagte ein Ermittler.
Flensburger Tageblatt 3-3-2004
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Die heile Welt auf dem Lande ist nur noch ein Märchen
Rendsburg (bi) - Beim Jugendamt in Rendsburg waren die jungen Thadener Eltern, deren Baby offenbar verhungert ist, nicht bekannt. Das sagte Norbert Schmidt, Leiter der Kreisbehörde, die erst nach dem Tod des elf Monate alten Lukas hinzugezogen wurde, gestern auf Anfrage der Landeszeitung . Denn zur Familie gehört ein weiteres Kind, ein zweijähriges Mädchen, das "gesund und wohlgenährt" sei, wie ein Arzt dem Jugendamt bestätigt habe. Die Tochter sei nun in der Obhut einer Pflegefamilie.
"Der Fall macht uns sprachlos", erklärte Norbert Schmidt. Für ihn ist es unverständlich, wie es zu dieser völlig unterschiedlichen Behandlung der beiden Kinder hatte kommen können, er wolle darüber aber nicht spekulieren. "Dieser Fall ist die absolute Ausnahme", stellte er fest. Dennoch sei grundsätzlich festzustellen, dass die Ratlosigkeit bei den Eltern zunehme. Auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde gebe es bei den Familienhilfe-Einsätzen eine große Steigerung, betonte Schmidt.
"Unser Job ist es zu helfen", sagte der Jugendamtsleiter. Möglicherweise bestünden noch Vorurteile über die Aufgaben und Einflussmöglichkeiten der Behörde. Er appellierte ebenso an hilflose Eltern wie an Beobachter dieser Hilflosigkeit, sich an das Jugendamt zu wenden, bevor es zu spät sei. Hinweise, dass ein Kind gefährdet sei, kämen manchmal schon nach der Geburt aus dem Krankenhaus, von einer Großmutter oder aus der Nachbarschaft. Besser sei es aber, die Eltern selbst zu motivieren, denn die Hilfe funktioniere nur dann, wenn die Betroffenen die Unterstützung auch annehmen wollten, berichtete Schmidt aus seiner Erfahrung.
Weshalb diese Möglichkeit in Thaden nicht genutzt wurde, kann der Jugendamtsleiter nicht sagen. Die "Mär von der heilen Welt auf dem flachen Lande" mag er schon lange nicht mehr hören. Die tägliche Praxis zeige häufig ein anderes Bild. Die Individualisierung habe sich auch bis in die Dörfer ausgebreitet, und traditionelle Werte seien weggebrochen.
"Wir müssen endlich die Frage nach den gesellschaftlichen Strukturen stellen, forderte Norbert Schmidt., "denn wann kümmern wir uns schon wirklich um unsere Nachbarn?"
shz [06.03.2004]
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Kommentar: Norbert Schmidt ist mir als ein gutwilliger Amtsleiter des Rendsburger Jugendamtes persönlich bekannt. Wenn er meint, Jugendhilfe funktioniere nur, "wenn die Betroffenen die Unterstützung auch annehmen", dann ist er blind für die andere Seite seiner Pflichten, nämlich für das staatliche Wächteramt, das ihm gebietet, zum Schutz der Kinder dann einzugreifen, wenn die Eltern keine Hilfe annehmen wollen oder können. Christoph Malter
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