FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2003

 

Zurück ins Kinderheim

Land Berlin will Verordnung ändern - Pflegefamilien droht das Aus

Von Florentine Anders

 

Künftig Pflegefamilien für schwierige Heimkinder zu finden, dürfte angesichts der geplanten neuen Pflegeelternverordnung schwierig werden. "Schon jetzt zeichnet sich ein Engpass ab", sagt Professor Kurt Eberhard, Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie. Viele interessierte Eltern würden wieder abspringen, wenn sie von den vorgesehenen Änderungen erfahren. Dabei war ursprünglich genau der gegenteilige Effekt geplant. Durch eine finanzielle Besserstellung der Pflegefamilien sollten die teuren Heimplätze abgebaut werden. Seit fünf Jahren arbeitet inzwischen eine Expertengruppe aus der Senatsjugendverwaltung an der neuen Verordnung. "Durch die zigfachen Veränderungen sehen die Betroffenen - und auch die Politiker - kaum noch durch", meint Professor Eberhard. Die Konsequenzen für viele bereits bestehende Pflegefamilien seien aber katastrophal. Auch die Familie von Katja Paternoga droht auseinander zu brechen. Neben ihren drei eigenen Kindern haben sie und ihr Mann drei Heimkinder aufgenommen. Wegen der seelischen Behinderungen der Kinder gelten sie als so genannte heilpädagogische Pflegefamilie und erhalten ein höheres Erziehungsgeld als normale Pflegeeltern. David und Dennis haben in ihrer Herkunftsfamilie Misshandlungen und Vernachlässigungen erlebt, die bleibende Schäden hinterlassen haben. Steffis Eltern waren mit der geistigen Behinderung ihres Kindes überfordert. "Die drei müssen rund um die Uhr betreut werden, ständig besteht die Gefahr, dass sie sich oder anderen Gewalt antun", erzählt die Mutter aus ihrem Alltag. Hinzu kommen Termine bei Therapeuten, bei Lehrern und Ärzten. Zusätzlich woanders arbeiten zu gehen, sei für sie und ihren Mann ausgeschlossen. Gemeinsam hatten sie vor sieben Jahren nach dem sozialpädagogischen Studium diesen Lebensweg gewählt. "Wir sind der Ansicht, dass den Kindern in Pflegefamilien erfolgreicher geholfen werden kann als in Heimen", erklärt sie ihre Motivation. Je Pflegekind erhalten die Eltern 960 Euro Erziehungsgeld. Daraus könnte künftig der normale Pflegesatz von 200 Euro werden. Denn heilpädagogische Pflegefamilien soll es nach dem Entwurf nicht mehr geben. Zwar kann ein erweiterter Förderbedarf beantragt werden, dieser Antrag würde aber mindestens ein Mal jährlich von einem bezirklichen Diagnosezentrum überprüft und je nach Entwicklungsstand neu entschieden. "Sobald es den Kindern etwas besser ginge, würde uns die Existenzgrundlage entzogen", sagt Katja Paternoga. Unter diesen Umständen müsste sich die 35-Jährige beruflich neu orientieren - und die Kinder zurück ins Heim geben.

Berliner Morgenpost 23. Dez. 2003

 

 

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