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cec Lüneburg. Die Familie steckt in der Krise, nichts geht mehr. Wenn das Jugendamt droht, das Kind aus der Familie zu nehmen, gibt es in Lüneburg seit drei Jahren eine letzte Chance: die Familienaktivierung (FA). Sie soll die Perspektiven der Familie ausloten. Jetzt berichteten zwei Mitglieder des fünfköpfigen FA-Teams dem Jugendhilfeausschuss von ihrer Arbeit. Das Team aus selbstständigen Pädagogen arbeitet auf Honorarbasis. Um die sofortige Hilfe zu garantieren, ist es in ständiger Rufbereitschaft - innerhalb von 24 Stunden nach einer Anfrage durch das Jugendamt müssen die Mitarbeiter am Ort des Geschehens mit ihrer Arbeit beginnen. Vier bis sechs Wochen bleiben sie dann in der Familie. Arnold Steeg, Sozialpädagoge im FA-Team, erklärt den Ansatz: "Menschen in Krisen sind bereit, etwas zu verändern." Bevor ein Kind also fremdplatziert wird, so der amtliche Fachausdruck, werde geguckt, wer in der Familie was will und wo Veränderungen möglich sind. Dabei werden etwa bestimmte Gesprächsführungstechniken wie Neuro-Linguistisches Programmieren eingesetzt. Nicht das Ideal, die Familie um jeden Preis zusammenzuhalten, diktiere die Arbeit. So betont Sozialpädagogin Kristina Rau: "FA ist keine Garantie für den Verbleib des Kindes in der Familie". Marlis Otte vom Jugendamt erläutert: "Wir arbeiten hier bewusst mit Erpressung: Entweder, ihr nehmt FA an, oder das Kind geht raus." Die Familien, die FA akzeptieren, verdienten Bewunderung, "denn es bedeutet, dass sie mindestens 20 Stunden in der Woche einen wildfremden Menschen auf dem Sofa sitzen haben, der jede ihrer Handlungen beobachtet". Otte ist mehr als zufrieden mit dem Erfolg des Projekts: "Ohne FA wären noch mehr Kinder fremdplatziert worden, was immer eine Katastrophe für die Familie ist. Es läuft besser, als wir gehofft hatten." In 52 Familien wurde das FA-Team bisher eingesetzt. Bei zwölf von ihnen brachte das Jugendamt nach Abschluss der Arbeit ein Kind außerhalb der Familie unter. In den übrigen Fällen konnte es zu Hause bleiben. Davon ausgehend, dass ohne FA bei allen Familien das Kind fremdplatziert worden wäre, präsentierte Kristina Rau dem Ausschuss einen positiven Kostenvergleich: FA plus eventuelle Kosten für Anschlussmaßnahmen waren danach gut 50 Prozent günstiger. Stadtdirektor Peter Koch freute sich darüber, denn "die Quote der Fremdplatzierungen ist oft Thema in der Haushaltsdebatte". Dennoch forderte er, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, eine Heimunterbringung sei schlecht, weil teuer. Priorität habe das Kinder- und Jugendhilfegesetz, und das schreibe die Maßnahme vor, "die am besten ist für das Kind und nicht am billigsten für die Stadt. Und danach handeln wir." Landeszeitung für die Lüneburger Heide - 15.02.2001
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Kommentar: Es ist gut und entspricht dem KJHG, vor Fremplazierung an die Möglichkeiten ambulanter Hilfen zu denken, denn es gibt viele Familien, denen damit wirksam geholfen werden kann. Es gibt aber auch Familien, bei denen solche Versuche von vornherein aussichtslos sind und eine weitere Verzögerung der Herausnahme zu Lasten der Kinder geht. Das gilt insbesondere für Eltern, die ihre Kinder persistent vernachlässigen, mißhandeln und mißbrauchen und denen in der Kindheit ähnliches widerfuhr. Deshalb stellen sich zu dem Bericht aus Lüneburg folgende kritische Fragen:
- welche psychosozialen Untersuchungen zur Klärung der Indikation gingen voraus?
- Warum ist bei Fremdplazierung nur von Heimunterbringung und nicht auch von Pflegefamilien die Rede?
- Was ist aus den Kindern geworden, die in ihren Familien blieben?
- Wurde wissenschaftlich kontrollierte Begleitforschung etabliert, oder wird wieder einmal mit einem neuen pädagogischen Modell herumprobiert?
Über Neurolinguistisches Programmieren heißt es bei Grawe, Donati & Bernauer in ihrem Standardwerk der Psychotherapieforschung (Hogrefe 1994), es fehle bisher "jede stichhaltige Wirksamkeitsuntersuchung und damit das Miminalkriterium dafür, daß man von einer wissenschaftlich fundierten Therapieform sprechen kann." Kurt Eberhard (Feb. 01)
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