FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2003

 

 Mutter und Kind völlig verwahrlost

Anzeige gegen 20-Jährige - Vorwürfe gegen Jugendamt

 

Den Polizisten, die gestern Nachmittag an einer Wohnungstür am Spandauer Damm in Charlottenburg klingelten, um einen Haftbefehl zu vollstrecken, bot sich ein erschreckendes Bild. Auf den Gesuchten trafen die Beamten nicht, dafür aber auf eine völlig verwahrloste und verdreckte Wohnung. Und darin eine 20-Jährige mit ihrer einjähriger Tochter, beide in einem furchtbaren Zustand. Das Kind wurde umgehend dem Kindernotdienst übergeben, gegen die Mutter nach Angaben einer Polizeisprecherin Anzeige erstattet.

Ein Arzt, der das Kleinkind noch gestern untersuchte stellte Unterernährung und erhebliche Entwicklungsrückstände aufgrund von Mangelerscheinungen fest. Die Mutter erklärte in ihrer ersten Vernehmung, sie habe sich "mit allem" völlig überfordert gefühlt.

Nachbarn der Frau, denen die Zustände bereits bekannt waren, übten gestern heftige Kritik an den zuständigen Behörden. Sie hätten sich in der Vergangenheit bereits mehrfach an das Jugendamt gewandt, geschehen sei danach allerdings nichts.

Der Charlottenburger Jugendstadtrat Reinhard Neumann (SPD) sagte dazu gestern, die 20-Jährige sei von seiner Behörde aufgefordert worden, "mit dem Amt zu kooperieren" und Beratungsangebote anzunehmen, sei dieser Aufforderung aber offenbar nicht gefolgt. Der Stadtrat kündigte an, zu prüfen, ob es Versäumnisse im Amt gab.

Berliner Morgenpost - Lokales (13-08-2003)

 

Kommentar: Der Herr Jugendstadtrat kündigt eine Überprüfung an, „ob es Versäumnisse im Amt gab“. Das könnte ihm so passen! Entweder er findet Säumige, dann sind die dran, oder er findet keine, dann um so besser. Solche Zeiten sind vorbei, Herr Stadtrat. Inzwischen hat der Deutsche Städtetag »Empfehlungen zur Festlegung fachlicher Verfahrensstandards in den Jugendmtern bei akut schwerwiegender Gefhrdung des Kindeswohls« allen Jugendämtern zur Kenntnis gegeben, und es liegt in der Verantwortung des Jugendstadtrats, für deren Umsetzung zu sorgen, sonst ist ER dran!

Allerdings glauben immer noch einige Jugendamtsleiter, sie könnten die Verantwortung nach unten abschieben, wie z.B. in Kiel. Anregung an unsere Leser im Interesse schutzbedürftiger Kinder: Fragen Sie doch mal schriftlich in Ihrem Jugendamt an, ob die Empfehlungen des Städtetages dort bekannt sind und wie damit umgegangen wird.
Kurt Eberhard (August 2003)

 

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