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Den Polizisten, die gestern Nachmittag an einer Wohnungstür am Spandauer Damm in Charlottenburg klingelten, um einen Haftbefehl zu vollstrecken, bot sich ein erschreckendes Bild. Auf den Gesuchten trafen die Beamten nicht, dafür aber auf eine völlig verwahrloste und verdreckte Wohnung. Und darin eine 20-Jährige mit ihrer einjähriger Tochter, beide in einem furchtbaren Zustand. Das Kind wurde umgehend dem Kindernotdienst übergeben, gegen die Mutter nach Angaben einer Polizeisprecherin Anzeige erstattet.
Ein Arzt, der das Kleinkind noch gestern untersuchte stellte Unterernährung und erhebliche Entwicklungsrückstände aufgrund von Mangelerscheinungen fest. Die Mutter erklärte in ihrer ersten Vernehmung, sie habe sich "mit allem" völlig überfordert gefühlt.
Nachbarn der Frau, denen die Zustände bereits bekannt waren, übten gestern heftige Kritik an den zuständigen Behörden. Sie hätten sich in der Vergangenheit bereits mehrfach an das Jugendamt gewandt, geschehen sei danach allerdings nichts.
Der Charlottenburger Jugendstadtrat Reinhard Neumann (SPD) sagte dazu gestern, die 20-Jährige sei von seiner Behörde aufgefordert worden, "mit dem Amt zu kooperieren" und Beratungsangebote anzunehmen, sei dieser Aufforderung aber offenbar nicht gefolgt. Der Stadtrat kündigte an, zu prüfen, ob es Versäumnisse im Amt gab.
Berliner Morgenpost - Lokales (13-08-2003)
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