FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Nachrichten / Jahrgang 2003

 

Pascal Opfer einer Gruppe von Kinderschändern

Verdächtige gestehen Mord an dem Jungen - Polizei ermittelt gegen zwölf Männer und Frauen


Saarbrücken (dpa) - Erschütternde Geständnisse im Fall des kleinen Pascal aus Saarbrücken: Mitglieder einer Gruppe von Kinderschändern und Prostituierten haben nach Polizeiangaben zugegeben, den seit eineinhalb Jahren vermissten Jungen missbraucht und dann ermordet zu haben.



Der Leiter der Saarbrücker Kriminalpolizei, Peter Steffes, sagte am Mittwoch, von den zwölf festgenommenen Männern und Frauen gebe es übereinstimmende Aussagen, wonach Pascal schon am 30. September 2001 getötet wurde. Anschließend sei er in einer Kies- und Sandgrube eines ehemaligen lothringischen Kohlebergwerks in Schöneck bei Saarbrücken verscharrt worden.

Der damals fünfjährige Pascal, sein mittlerweile siebenjähriger Spielkamerad, mindestens noch ein kleines Mädchen und vermutlich auch andere Kinder waren zuvor laut Polizei wiederholt und wahrscheinlich über Monate hinweg in einer Bierklause in Saarbrücken-Burbach sexuell missbraucht worden. Die Wohnung der Familie von Pascal war nur etwa 100 Meter von dieser ehemaligen Tosa-Klause entfernt.

Auch Freier zahlten in der im sozialen Brennpunkt Burbach gelegenen Klause für Sex mit Kindern, geht aus den bisherigen Ermittlungen der Polizei hervor. Einzelheiten dazu und über die Art, wie Pascal getötet wurde, wurden nicht genannt. Fest steht bisher nur: Einer der Dreh- und Angelpunkte der Kinderschänderbande war die Ex-Wirtin der Klause, die mit anderen erwachsenen Frauen dort offensichtlich auch der normalen Prostitution nachgegangen ist.

Die inzwischen 50-Jährige war zeitweise vom Saarbrücker Jugendamt als Pflegemutter für Pascals Freund bestellt, der mit seinen Aussagen die Ermittlungen vorangebracht hatte.

"Die Recherchen können mehrere Wochen oder Monate dauern", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Raimund Weyand. Er ermittelt gegen die zwölf Festgenommenen, acht arbeitslose Männer sowie vier Frauen im Alter zwischen 35 und 60 Jahren, wegen gemeinschaftlichen Mordes an Pascal. Wegen sexuellen Missbrauchs in anderen Fällen wird noch gegen zwei weitere Verdächtige ermittelt.

Dazu kommen Ermittlungen gegen eine Sozialarbeiterin, die der Bierklausen-Wirtin die Vormundschaft über den später sexuell missbrauchten Freund Pascals übertragen hatte. Diese Pflegschaft war der Wirtin dann wieder wegen Verwahrlosung des Kindes entzogen worden. Hinweise auf sexuellen Missbrauch habe es damals nicht gegeben. Der kleine Junge, der laut Polizei inzwischen in sicherer Obhut ist, hatte seinen neuen Pflegeeltern von den sexuellen Übergriffen in der Tosa-Klause erzählt.

Immer noch fehlt die Leiche von Pascal. Rund zwei Dutzend deutsche und französische Polizeibeamte nahmen am Mittwoch mit Hilfe von Leichenspürhunden die Suche wieder auf. Techniker der Polizei mussten dabei für die Spürhunde erneut Löcher in den noch gefrorenen Sand bohren. Seit Freitag war die Suche wegen der widrigen Witterungsbedingungen ergebnislos verlaufen.

Stuttgarter Zeitung, 27-2-2003

Im Internet:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,238062,00.html

 

 

 

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