FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Diskussion / Jahrgang 2008

 

Furcht vor schlechteren Bedingungen für Pflegekinder

 

Schlechtere Bedingungen für Pflegekinder sowie mehr Rückführungen und Heimunterbringungen befürchtet die Pflegeelterninitiative Stadt und Landkreis Osnabrück. Hintergrund: Der Landkreis Osnabrück will den Bereich Kinder- und Jugendhilfe neu strukturieren.

Zur außerordentlichen Mitgliederversammlung der Pflegeelterninitiative kamen mehr als 60 Teilnehmer in die evangelische Familienbildungsstätte. Unter dem starken Kostendruck will der Kreistag noch in diesem Jahr über die Neuordnung der Kinder- und Jugendhilfe entscheiden – und damit auch darüber, ob zukünftig die Vermittlung und Begleitung von Pflegekindern sowie die Beratung ihrer Pflegeeltern vom Fachdienst Jugend auf freie Träger übertragen werden soll. Wie eine solche Organisation konkret aussehen solle, ob der bestehende Adoptions- und Pflegedienst des Jugendamts dabei zentral bei einem Träger oder regional bei mehreren Trägern angesiedelt werden solle – diese Fragen seien noch ungeklärt, berichtete der Vorsitzende der Initiative, Michael Unger.

So oder so wird die Ausgliederung des Adoptions- und Pflegedienstes von den betroffenen Pflegeeltern als problematisch angesehen. Kern der Kritik ist die beabsichtigte milieunahe Unterbringung, die auf einen möglichst langen Verbleib in der Herkunftsfamilie abzielt. Demnach würden Kinder aus problematischen Familien künftig bei Verwandten oder Nachbarn untergebracht, so Unger.

Außerdem werde mit der Umstrukturierung die Qualifizierung der Pflegeeltern nicht mehr gefördert. Die befürchtete Folge: Schlechtere Pflegeverhältnisse und mehr Rückführungen oder Heimunterbringungen, zumal die freien Träger – insbesondere die kirchlichen – ohnehin eher familien- als kindorientiert arbeiteten. All das gefährde aber die Sozialisation der Kinder, die oft nur in der sicheren Bindung innerhalb der Pflegefamilie erforderliche soziale Kompetenzen erlernten. Auch die Konfessionalität der freien Träger wurde von den Teilnehmern als problematisch erachtet. Spätestens unter diesem Aspekt sehen sie das im Jugendhilfegesetz verankerte Recht von Pflegeeltern beschnitten, zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener Träger zu wählen. Die Pflegeelterninitiative will jetzt ihre Bedenken den Entscheidern in Politik und Verwaltung vortragen und Mindeststandards formulieren, die bei einer Neuregelung berücksichtigt werden sollten.

OZ 11.11.08

 

Kurzkommentar: In Berlin hat der Rechnungshof gerade kritisiert, daß die Pflegekinderdienstaufgaben in mehreren Bezirken auf freie Träger mit unbekannten finanziellen Konsequenzen übertragen wurden.
Kurt Eberhard  (Nov. 2008)

 

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