FORUM: Internetzeitschrift des Landesverbandes für Kinder
in Adoptiv und Pflegefamilien S-H e.V. (KiAP) und der Arbeitsge-
meinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP)


 

Diskussion / Jahrgang 2008

 

Mutter des toten Babys aus Lübben muss in Untersuchungshaft
Landrat sieht keine Versäumnisse der Behörden

von Daniel Preikschat
und Tilo Winkler


Die 22-jährige Frau aus Lübben (Dahme-Spreewald), die am Sonntag gestanden hat, ihr neugeborenes Kind gleich nach der Geburt in der Badewanne ertränkt zu haben, muss in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht in Lübben folgte gestern dem Haftantrag der Staatsanwaltschaft in Cottbus, so der Gerichtsdirektor.

Zuvor war die Frau auf eigenen Wunsch vorübergehend in der Lübbener Asklepios-Fachklinik für Neurologie und Psychiatrie in Behandlung. Zwar sehe die Staatsanwaltschaft bei der Mutter des toten Kindes weder Flucht-, Verdunkelungs- noch Wiederholungsgefahr, so Sprecher Horst Nothbaum. Aufgrund der Schwere des Verbrechens habe die Staatsanwaltschaft dennoch die Untersuchungshaft gefordert.

Nach Ansicht von Landrat Martin Wille (SPD) haben sich die Ämter des Dahme-Spreewald-Kreises im Fall des getöteten Babys keine Versäumnisse vorzuwerfen. "Es sieht nicht so aus, als hätten Behörden etwas verhindern können", sagte Wille gestern.

Erster Fall im Kreis
Nach Angaben Willes ist es der erste derartige Fall im Dahme-Spreewald-Kreis. Mitarbeiter des sozialen Dienstes der Kreisverwaltung hätten am Wochenende in den Akten recherchiert. "Die einzige Spur, die zu der jungen Frau führt, stammt aus dem Gesundheitsamt", so der Landrat. Dort habe die 22-Jährige eine Genehmigung beantragt, um Lebensmittel verkaufen zu dürfen. Die Frau "zählt nicht zum klassischen Klientel des Jugendamtes. Sie ist dort nicht aktenkundig", erklärte der Landrat. Die Hartmannsdorfer Straße in Lübben - dort wurde das tote Mädchen gefunden - sei auch kein sozialer Brennpunkt. "Es ist eine unauffällige Gegend mit vernünftigen Wohnungen und ohne problematische Mieter", so der 65-Jährige. Martin Wille erinnerte daran, dass der Landkreis dem "Netzwerk gesunde Kinder" angehöre. Dabei begleiten Behörden, Vereine, Hebammen, Ärzte, Schulen und ehrenamtliche Paten junge Familien vom Ende der Schwangerschaft bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres ihres Kindes. Der aktuelle Fall zeige aber, dass auch mit einem solchen Netzwerk "nicht absolut alles verhindert werden kann", so Wille. "Das Problem ist, im Vorfeld zu erkennen, dass sich etwas andeutet", sagte der Landrat.

Projekt "Lebensfrohe Kinder"
Um die Chancen zu erhöhen, rechtzeitig reagieren zu können, soll das Netzwerk Wille zufolge durch ein Projekt mit dem Arbeitstitel "Lebensfrohe Kinder im Dahme-Spreewald-Kreis" ergänzt werden. Der Jugendhilfeausschuss werde sich damit am 27. Februar beschäftigen, so Martin Wille. Wie der Anwalt der 22-Jährigen bestätigt, werde für sie ein psychologisches Gutachten erstellt. Es soll klären, ob die Lübbenerin schuldfähig ist. Auch im Falle der mutmaßlichen Kindstötung in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) im Dezember 2007 werde für die 17-jährige Beschuldigte ein Gutachten angefertigt, sagte Nothbaum von der Staatsanwaltschaft Cottbus.

Kurt Eberhard, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP) in Berlin und selbst Professor für Psychotherapie und Psychologie, ist mit solchen Gutachten vertraut. Meist, sagt er, zeigen sie eine Wechselwirkung sozialer und psychologischer Gründe für die Tat auf. Die Frauen seien mit der Mutterrolle überfordert und oft auf sich allein gestellt. Längst nicht allen sei eine Persönlichkeitsstörung nachzuweisen. Kindstötungen, so der Psychologe, seien nicht Folge von Armut. "Das kann in jeder sozialen Schicht passieren."

 

 

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