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Sieben Wochen alt war der kleine Junge aus Spandau, der in der vergangenen Woche an seinen schweren Verletzungen starb. Seine Eltern sitzen in Untersuchungshaft. Und nicht nur Politiker diskutieren, wie man solche Fälle in Zukunft verhindern kann.
Ich hab’ letzte Woche die Wut gekriegt. Nicht wegen der Eltern, die jetzt in Untersuchungshaft sitzen. Was ihnen geschehen ist, was sie getan haben, das ist so schrecklich, dass mir als jungem Vater die Worte dafür und die Vorwürfe fehlen. Wütend gemacht hat mich die Parlamentssitzung am Tag danach. Wie unsere Volksvertreter über mehr Kinderschutz debattieren, nach allen Regeln des Parlamentarismus streiten, ob die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt nun „verpflichtend“ sein sollen. Oder „verbindlich“. Nicht, dass das in der Sache irgendeinen Unterschied macht. Weigern sich Eltern, ihr Kind regelmäßig untersuchen zu lassen, gibt es umgehend Besuch vom Jugendamt. Nein: „Gäbe es“. Wenn die Politiker das nämlich endlich mal beschließen würden. Seit über drei Jahren diskutiert das Abgeordnetenhaus darüber. Der Weisheit vorerst letzter Schluss: Der Senat möge Maßnahmen entwickeln und bis Ende März berichten.
Was ist so kompliziert daran?
Niemand will doch, dass Eltern eingesperrt werden, weil sie ihre Kinder nicht zum Arzt schicken. Darüber müsste man tatsächlich lange reden. Es geht darum, dass den Eltern klar gemacht wird, dass Vorsorgeuntersuchungen wichtig sind - für ihre Kinder. Natürlich wäre so eine Untersuchungspflicht eine Einmischung in das Elternrecht. Ich fand es auch komisch, als nach der Geburt unseres ersten Kindes eine Mitarbeiterin vom Jugendamt vorbeikam. Aber ist es wirklich eine Zumutung, wenn das Amt mal gucken will, wie das Kinderzimmer aussieht oder welchen Eindruck die Eltern machen?
Kinder großziehen ist die verantwortungsvollste Tätigkeit, die ich kenne. Und sie ist nicht die Privatsache der Eltern. Wer selbst Kinder hat, weiß, wie schwer das sein kann, selbst in den stabilsten sozialen Verhältnissen, selbst ohne Drogen- und Alkoholprobleme. Ich glaube nicht, dass der Staat jede Tat verhindern und jedes Kind beschützen kann. Aber er muss sich bereit halten, um denen zu helfen, die zu schwach sind, ihre Verantwortung ganz allein zu tragen. Der Besuch einer Behörden-Mitarbeiterin bei der Spandauer Familie sollte eine Hilfe sein, war gut gemeint und scheiterte doch. Warum, muss aufgeklärt werden. Der Vater soll mit dem leblosen Baby auf die Straße gelaufen sein, dem Notarzt entgegen. Er wollte, dass das Kind lebt, dass es ihm gut geht. Jeder will das, und nicht immer gelingt es. Die Politik kann nicht alles verhindern, nicht mit Pflichten nicht mit Angeboten. Aber sie soll tun, was sie kann. Und nicht streiten, wo man sich im Kern längst einig ist.
Quelle: rbb
s.a. Toter Säugling: Deutsche Kinderhilfe zeigt Jugendamt an
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