Diskussion / Jahrgang 2007

 

Vernachlässigt, verhungert, vergessen

von Miriam Walther

 

Leon Sebastian, Kevin und Jessica. Drei Fälle aus den vergangenen drei Jahren. Wieder ist ein Kind verhungert. Diesmal die kleine Lea-Sophie aus Schwerin. Mit fünf Jahren wog Lea-Sophie gerade noch etwas über sieben Kilo. Herzlos und krank sind die passenden Worte, die diese Tat beschreiben.

Die Wirtschaft boomt und unsere Kinder hungern. Ein Zustand der an die dritte Welt erinnert und nicht etwa an die drittgrößte Volkswirtschaft weltweit. Eine Folge der Hartz-IV-Reform und erhöhter Preise im Lebensmittelbereich, oder sind Eltern einfach nur grausam? Traurig, scheinbar sind Jugendämter handlungsunfähig in solchen Fällen - immer wieder.

Der Fall zeigt nur erneut auf tragische Weise, dass unser heruntergekürztes Kinder- und Jugendhilfesystem nicht wirkungsvoll auf Vernachlässigung und Missbrauch reagiert. Vielerorts wurden die Mittel für behördliche Jugendgesundheitsdienste gekürzt, oder sie wurden gleich ganz abgeschafft. Dabei wurde die Untätigkeit der Jugendämter immer wieder bei anderen schockierenden Fällen öffentlich kritisiert. Dennoch keine Veränderung.

Warum die Eltern von Lea-Sophia ihrer Tochter nichts zu Essen und Trinken gaben, bleibt weiterhin ungeklärt. Es ist einfach unverständlich, wie Eltern ihr Kind monatelang vernachlässigen können. Es wird immer wieder von Überforderung gesprochen. Offenbar führt Überforderung zu Totschlag. Beide Elternteile waren Hartz-IV-Empfänger. Doch scheint die Familienstruktur, zumindest nach außen, intakt gewesen zu sein. Die Eltern lebten nicht getrennt und haben ein weiteres gemeinsames Kind. Der zwei Monate alte Bruder von Lea-Sophie sei "völlig normal entwickelt", so das Jugendamt.

Dabei hat das Jugendamt schlichtweg gepennt. Denn Lea-Sophie hat nie ein Sozialarbeiter zu Gesicht bekommen, somit ihre Situation nicht beurteilen können. Obwohl seit 2006 mehrfach Hinweise auf Vernachlässigung des Mädchens eingingen, selbst von den Großeltern. Die Behörden haben sich das Kind nicht angeschaut und sich mit den Aussagen der Eltern zufrieden gegeben. Anscheinend nimmt das Jugendamt in Schwerin seine Aufgaben nicht sehr ernst. Vielleicht ist man dort mit der Zuständigkeit unvertraut.

Was ist ein armes Kind in Deutschland?

Inzwischen werden die Rufe nach verpflichtender staatlicher Fürsorge lauter. Unsere Gesellschaft verändert sich. Arbeitslosigkeit, erhöhte Lebenshaltungskosten zum Beispiel bei Benzin, Nahrung und Strom. Wenn Eltern keine Arbeit haben oder nur wenig Einkommen zu Verfügung steht, bekommen das auch ihre Kinder zu spüren. Nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes leben 2,5 Millionen mittellose Kinder in Deutschland. Arm zu sein bedeutet, es lebt auf Sozialhilfeniveau. Die meisten in Hartz-IV-abhängigen Familien. Besonders Einwandererkinder sind betroffen. Zudem existiert eine Dunkelziffer: Familien und vor allem Alleinerziehende, die problematische Lebensbedingungen haben. Diese Menschen tauchen in Statistiken gar nicht auf.

Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) schaffte mehr Krippenplätze und steht jetzt vor einer neuen Herausforderung. Politiker fordern eine bessere Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Kinderärzten. Reicht das aus? Nein! Es müssen dringend neue Regelungen getroffen werden für die Kindervorsorge, denn manche Eltern schaffen es nicht allein.

Im Grundgesetz, Artikel 6, heißt es: Die Familien "stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung". Über die Betätigung der Eltern "wacht die staatliche Gemeinschaft". In der Realität kümmern sich Jugendämter halbherzig, ohne einheitliche Regelungen. Die staatliche Gemeinschaft hat hier eindeutig geschlafen und nicht über das Wohl der Familien gewacht. Dennoch fordern Politiker mehr Kinder. Fragt sich nur: Wie sollen die leben?

www.medien-mittweida.de

 

 

[AGSP] [Aufgaben / Mitarbeiter] [Aktivitäten] [Veröffentlichungen] [Suchhilfen] [FORUM] [Magazin] [JG 2010] [JG 2009] [JG 2008] [JG 2007] [JG 2006] [JG 2005] [JG 2004] [JG 2003] [JG 2002] [JG 2001] [JG 2000] [Sachgebiete] [Intern] [Buchbestellung] [Kontakte] [Impressum]

[Haftungsausschluss] [Hinweis zu Cookies] [Druckhilfe]

[Buchempfehlungen] [zu den Jahrgängen]

Google
  Web www.agsp.de   

 

 

 

 

 

simyo - Einfach mobil telefonieren!

 

 

 

Google
Web www.agsp.de

 

Anzeigen

 

 

 

 


www.ink-paradies.de  -  Einfach preiswert drucken

 

 

 

 

Tchibo.de - Jede Woche eine neue Welt!

 

 

Shop-Apotheke.com: Grosse Deutsche Versandapotheke

 

 

 

Suchmaschinen-Marketing

 


mehr