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Berlin: 14 Tage, 26 misshandelte Kinder Immer mehr Fälle werden entdeckt Wowereit begrüßt Merkel-Vorschlag für Kindernotgipfel
von T. Buntrock, S. Daßler, A. Sirleschtov und M. Schlegel
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Berlin - Immer neue Fälle von Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung werden in Berlin bekannt. Die Polizei hat allein innerhalb der vergangenen zwei Wochen in zehn Familien Kinder in verwahrlostem, misshandeltem oder missbrauchtem Zustand aufgefunden. Betroffen waren insgesamt 26 Kinder.
Auch bundesweit liegt Berlin statistisch an der Spitze: Im vergangenen Jahr erfasste die Polizei 563 misshandelte Kinder. In Hamburg waren es 50 Fälle. Dennoch geht die Polizei nicht davon aus, dass in Berlin mehr vernachlässigte oder misshandelte Kinder leben als in anderen Bundesländern. Vielmehr würden hier öfter solche Taten angezeigt. Das ist nach Ansicht der Polizei auf die gewachsene Sensibilität der Bevölkerung in Bezug auf dieses Thema zurückzuführen sowie auf die breite Öffentlichkeitsarbeit des bundesweit einzigartigen Dezernats beim Landeskriminalamt, das eigens für vernachlässigte und misshandelte Kinder und Jugendliche zuständig ist.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat angesichts der jüngsten Fälle von Kindstötungen und -vernachlässigungen den von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einberufenen „Kindernotgipfel“ begrüßt. „Die erschreckend hohe Zahl von Kindesvernachlässigungen fordert Bund, Länder und Kommunen auf, wirksame Handlungskonzepte zu entwickeln“, sagte Wowereit dem Tagesspiegel am Sonntag: „Die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ist, so denke ich, ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“
Berlins Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke), die bislang eine Pflichtvorsorgeuntersuchung abgelehnt hatte, ist inzwischen der Ansicht: „Wenn auch nur ein Kind dadurch gerettet wird, bin ich dafür, dass es eine gesetzliche Regelung gibt, um Eltern zum Arztbesuch zu verpflichten.“
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, forderte grundlegende Reformen des gesamten Jugendhilfebereichs in Deutschland. „Das System hat versagt“, sagte Ehrmann dem Tagesspiegel am Sonntag. „Kinder von Drogenabhängigen oder psychisch Kranken müssen viel früher aus den Familien herausgenommen werden“, kritisierte Ehrmann die „verbreitete Konsenspädagogik“ von Jugendämtern und Trägern der freien Jugendhilfe.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.12.2007)
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