|
Nach dem jüngsten Fall eines toten Babys in einer verwahrlosten Wohnung hat die Deutsche Kinderhilfe Direkt eine "bessere und engmaschige Betreuung" von stark überforderten Familien verlangt. "Der Hungertod des kleinen André aus Iserlohn hätte vermieden werden können, wenn es eine echte, intensive Betreuung gegeben hätte", betonte Georg Ehrmann, Vorsitzender des Vereins am Samstag. "Der traurige Fall zeigt, dass wir es nicht nur mit einem Problem von Unterfinanzierung und Unterbesetzung in den Jugendämtern zu tun haben, sondern auch mit einer falschen Mentalität", meinte Ehrmann.
Manche Familien brauchen täglich Besuch "Oft wird von den Jugendämtern an das Gute im Menschen appelliert, statt das staatliche Wächteramt auch mit Sanktionen durchzusetzen", kritisierte der Vereinsvorsitzende. "Wir reden über Familien, die auf Grund ihrer Biografie, häufig auch wegen Alkoholproblemen oder mangelnden intellektuellen Fähigkeiten, ihr eigenes Leben nicht in den Griff bekommen und daher auch schon gar nicht ihre Kinder betreuen können." Diese Familien müssten bei Bedarf auch täglich von geschultem Personal aufgesucht und unterstützt werden.
Ermittlungen gegen Eltern und Sozialarbeiter Im Todesfall des drei Monate alten Jungen aus dem sauerländischen Iserlohn wird gegen die 26-jährige Mutter und deren 25-jährigen Lebensgefährten wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Aber auch gegen Mitarbeiter des Jugendamts richten sich die Ermittlungen, die die katastrophalen Verhältnisse in der Dachgeschoss-Wohnung laut Staatsanwaltschaft kannten. André starb trotz Jugendamt-Betreuung der Mutter und ihrer insgesamt drei Kinder.
"Engere Zusammenarbeit" "Der Fall macht klar, dass das Jugendamt auch Kompetenzen abgeben muss und mit der Freien Jugendhilfe enger zusammenarbeiten muss - mit Streetworkern, der AWO oder der Caritas, auch dem Bezirkspolizisten, die die Familien oft gut kennen", sagte Ehrmann.
Hilfeverein fordert Hotline In Deutschland sterben jährlich mehr als 170 Kinder an den Folgen von Gewalt, Misshandlung oder Verwahrlosung. "Um weitere Katastrophen zu verhindern, ist auch Zivilcourage ganz wichtig", betonte Ehrmann. Dringend notwendig sei eine Hotline, die Bürger bei Verdacht rund um die Uhr anrufen könnten - wie sie in Berlin und Hamburg erfolgreich eingeführt sei. "Wenn Nachbarn einen Verdacht haben, können sie bisher in den meisten Fällen nur die Polizei anrufen, was aber eine hohe Hemmschwelle ist - das machen viel zu wenige."
Quelle: http://onnachrichten.t-online.de/c/11/78/84/98/11788498.html
s.a. Presseerklärung der Stadt Iserlohn zum Tod des Kindes Andre s.a. Ermittlungen gegen Jugendamt. Unterernährter Säugling gestorben
|